01.07.2001 Hat mal jemand eine gute Nachricht für mich?

Sodom und Gomorrha in der Pfalz. Beim FCK brennt schon lange vor dem ersten Anstoß zur neuen Saison der Baum, und zwar komplett. Jede zurzeit veröffentlichte Nachricht zum Verein hat einen negativen Touch, was, gelinde gesagt, höllisch nervt und Sorgenfalten ungekannten Ausmaßes auf die geplagte Anhängerstirn wirft.

Doch der Reihe nach, es gibt ja genügend Beispiele. Da wäre zum Beispiel ein Lauterer Eigengewächs. Mäßig talentiert hat er mit 23 seinen Zenit bereits überschritten und steuert auf die fußballqualitative Invalidität zu. Doch da kommt ein Karnevalsverein vom Rhein und will den lustigen Gesellen für sechs (Ja, SECHS! Nein, ich konnt’s auch nicht glauben) Millionen in sein Geißbockheim zerren. Sogar der Marco selbst wollte Gerüchten zufolge ein Milliönsche aus der Privatschatulle zaubern, um endlich der Hölle entfliehen zu können (ich frage mich nur, wo der gute Mann das ganze Geld her hat, Einsatz- und Erfolgsprämien können’s ja wohl nicht sein...*kicher*). Doch die Lauterer Obrigkeit, beseelt von der Philosophie, dass 1. Verträge grundsätzlich eingehalten werden, 2. alle Menschen gut sind und für 1. Verständnis zeigen und 3. sie sowieso immer Recht hat, sitzt auf ihrem Sack Geld und fingert ein wenig an dem Eisengeschmeide herum, das den Sehnsüchtigen an den Verein kettet. Dann grinst sie glücklich und sagt: "Nö!" Versteht ihr nicht? Ich auch nicht.

Der nächste schwierige Fall ist ein Weltmeister, der Heimweh hat. Youri Djorkaeff sollte man, rein sportlich gesehen, natürlich nicht gehen lassen. Aber aus Imagegründen und mit Blick auf die Stimmung in Mannschaft und Umfeld ist es ein Riesenfehler, das aufziehende Gewitter nicht zu umfahren, sondern sich munter ins Grollen zu stürzen. Djorkaeff droht mit "Krieg" und stänkert gegen den Teamchef. Die Führung, medienmäßig nicht eben mit unfehlbarer Geschicklichkeit gesegnet, reagiert. Für diese Reaktion gibt es zwei Möglichkeiten. Eine ist richtig und eine falsch. Lasst uns nun zusammen raten:

  1. Statt die Drohung und den Schmutz aus dem Hause Djorkaeff entlarvend für sich stehen zu lassen, legt sie wieder Wert auf ein inbrünstiges "Nö" und pocht auf den laufenden Vertrag.
  2. Sie hält sich zurück, wirft den Schlamm nicht mit beiden Händen dem Franzosen hinterher, sondern wartet auf den Verein, den der gute Mann zu präsentieren hat und der das entsprechende Entgelt locker macht.

Und, Lösung erkannt?

Weitere Hiobsbotschaften:
-Nzelo Lembi kommt nicht. 20 Millionen sind natürlich ne Menge Holz. Allerdings hat die letzte Saison gezeigt, dass mit bloßem Lieb-Gucken gerade in der Abwehr kein Blumentopf gewonnen wird. Vielleicht hätte so ein teurer Turm der Schlacht ja gut getan.
-Darek Wosz, Pawel Kryszalowicz und Christian Ziege kommen nicht. Aber das mit vor Kummer bebender Stimme nur so nebenbei... (Waren ja auch bloß ein paar Ideen, vielleicht wird‘s ja mit Branco was.)
-Michael Schjönberg macht von heute auf morgen Schluss mit dem aktiven Gebolze. Herzliches Beileid und ein kleiner Nachruf: Er wird aus vielerlei Gründen fehlen. Er war ein Brecher und Kämpfer, schlagfertig, offen und beliebt. Zudem fehlt dem leidgeprüften Schorsch Koch mit Schjönberg einer der Wenigen, die im letzten Jahr in der Abwehr halbwegs wussten, was sie taten. Wirklich schade und eigentlich eine Aufforderung an den Vorstand, in der Abwehr nochmals nachzulegen, da mit Lembi und Schjönberg nun schon zwei eingeplante Kräfte (die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen) ersatzlos zu streichen sind.
-Mario Basler wird nicht Käpt’n. Gut, dies ist nicht wirkliche eine Botschaft Hiobs, aber Mario muffelt ein bisschen und kann es nicht verstehen. Allerdings ist die Brehme-Entscheidung, Hengen zu kapitänisieren wirklich mutig, denn als echte Führungsperson war der zarte Thomas bisher nicht bekannt.

Soweit zur schlechten Stimmung. Macht keinen Spaß, wenn einem solche News um die Ohren fliegen.

Doch zu den wenigen erhellenden Dingen. So will ich nicht verhehlen, dass meiner Meinung nach der eine oder andere Einkauf in diesem Jahr mit Bedacht getätigt wurde. Leider ist niemand dabei, von dem sofort Stammplatz und Topleistungen erwartet werden können. Alle Kandidaten eint eine gewisse Unsicherheit ob ihres tatsächlichen Potentials. Wenn es gut läuft, können aber alle durchaus richtig am Platze sein.
Eine Abwehr mit Hengen und Knavs könnte ganz erbaulich sein. Was Kullig kann, wird sich zeigen. Thomas Riedl und Stefan Malz tragen alle meine guten Wünsche mit sich herum, endlich Alarm über links zu fabrizieren. Schlechter als mit Strasser kann’s ja wohl nicht...
Und Lincoln? Ein Fußballer, der heißt wie ein Ex-US-Präsident? Na mal sehn! Jedenfalls ist er ziemlich jung und nicht eben billig. Dem könnte man ja ein wenig Zuversicht abringen.

In der Hoffnung, vielleicht doch noch einen echten Reißer begrüßen zu können und vor allem in naher Zukunft über gute FCK-Nachrichten referieren zu können, beende ich nun meine Ausführungen.

Einen schönen Theatersommer wünscht

Enni

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18.06.2001 Trainer, was war gleich nochmal ein Zweikampf? von Enni
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Enni
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