16.05.2001 Der Große Plan

Andreas Brehmes Probleme scheinen nicht wirklich die zu sein, die man öffentlich wahrnimmt, nicht der nach menschlichem Ermessen verpaßte, pardon: vermiedene, UEFA-Pokal-Platz und auch nicht der Abwanderungswille von Djorkaeff: Wird Brehme doch auf einem Werbefaltblatt mit folgenden Worten zitiert: "....gibt mir ein positives Beingefühl. Ich bin damit einfach sicherer." Auf dem selben Faltblatt äußert sich Susen Tiedtke-Greene (Hallen WM-Dritte 1995) wie folgt: "....steigert meine Leistungsfähigkeit und tut mir spürbar gut." Der Leser denkt sich sicher seinen Teil, gerade wenn man bedenkt, daß einige Spieler in der letzten Zeit weniger Schweiß denn Ersatzflüssigkeit zu vergießen scheinen. Wenngleich es sich in der Tat um ein Werbefaltblatt für Binden handelte, waren doch - nur soviel zur Vermeidung von durchaus beabsichtigten Mißverständnissen - nicht Damenbinden sondern Sportbandagen gemeint.

Ganz unbandagiert, da relativ unbeschadet, konnte man mit einer taktischen Meisterleistung beim FC Bayern München aus den europäischen Wettbewerben sich verabschieden, ohne sich auch nur den Anschein einer erneuten Blamage bzw. gar der bewußten Wettbewerbsverzerrung zu geben. Denn schließlich hat man den großen FC Bayern München 4 Minuten lang unter massiven Druck gesetzt, was auch mit dem verdienten 0:1 durch "Loki" Lokvenc nach der einzigen auf den ersten Blick gar nicht so übermäßig torgefährlichen Szene belohnt wurde. Die verbleibenden 86 Minuten verbrachte man eher geruhsam in der eigenen Hälfte, um so den Bayern, die inzwischen ihr "letzte-Zwei-Minuten-Trauma" abgelegt haben, die Chance zu geben, doch noch zu gewinnen. Das haben die natürlich genutzt und so konnte - Es ist also endlich geschafft! - letztendlich Der Große Plan doch noch aufgehen.
Schon in den beiden letzten Saisons wollte man Den Großen Plan verwirklichen, scheiterte aber trotz z.B. eines weithin beachteten 1:5 in Frankfurt an der Dummheit bzw. dem Unwillen der Konkurrenten. Immerhin gelang es zwei Jahre lang, die Existenz Des Großen Plans vor der Öffentlichkeit mehr oder weniger zu verschleiern. Trotz aller Gerüchte (DIE BLUTGRAETSCHE berichtete) konnten keine stichhaltigen Belege für die tatsächliche Existenz herbeigebracht werden. Und so brauchte es dieses Jahr einen groben Fauxpas (hat nichts mit einem Doppelpaß zu tun, wäre auch FCK-untypisch) eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin der Verwaltung des FCK, um die Öffentlichkeit ausgerechnet in diesem Jahr, wo Der Große Plan endlich in aller Stille erfüllt werden konnten, vom Vorhandensein Des Großen Plans vorzeitig in Kenntnis zu setzen. Denn wie sonst als durch versehentlich (oder war es sogfar Absicht?) zu frühe Herausgabe wäre zu erklären, daß sich in einer großen deutschen Tageszeitung am Samstagmorgen, also bereits vor dem Anpfiff des Bayern-Spiels, folgende Stellenanzeige fand:

Der ruhmreiche 1.FC Kaiserslautern
Deutscher Meister 1951,1953, 1991, 1998
Deutscher Pokalsieger 1990, 1996
Deutscher Zweitligameister 1997
Gewinner der goldenen Ananas 2001

sucht für seine allseits beliebte Erstbundesligamannschaft einen oder mehrere
BALLSPIELER

Der 1.FC Kaiserslautern ist ein deutscher Traditionsverein, der die Bewahrung der Tradition dem kurzfristigen schnöden sportlichen Erfolg vorzieht.

Wir erwarten eine zumindest rudimentäre Kenntnis der Deutschen Sprache, erste praktische Erfahrung im Umgang mit dem Spielgerät (Ball) sowie Bereitschaft zur Arbeit an der frischen Luft sowie am Wochenende.
Wir bieten eine multikulturelle Arbeitsatmosphäre inmitten von Pfälzer Wald, Pfälzer Luft, Pfälzer Wurscht, Pfälzer Wein und Pfälzer Geselligkeit. Darüber hinaus neben einem überwiegend unangemessenen Gehalt umfangreiche Sozialleistungen wie z.B. ein betreutes Fitneßprogramm unter Anleitung mehrerer Übungsleiter sowie die Stellung von Oberbekleidung in verschiedenen modischen Farben. Bei schlechtem Wetter oder Unpäßlichkeit steht Ihnen selbstverständlich ein Sitzplatz auf unserer überdachten Tribüne zur Verfügung. Alkoholfreie Getränke während der Arbeitszeit werden vom Arbeitgeber bereitgestellt. Ein Stamm erfahrener Mitarbeiter wird Ihnen während der Eingewöhnungsphase zur Seite stehen.

Bereitschaft zu Auslandsreisetätigkeit ist nicht erforderlich.

Bei ansonsten gleicher Qualifikation werden Bewerbungen von Frauen und anderweitig Nichtsachverständigen bevorzugt berücksichtigt.

Bewerbungen bitte ausschließlich an diese e-mail-Adresse.
Ihre Bewerbung wird selbstverständlich vertraulich behandelt.

Der erste ernstzunehmende Bewerber darf sich wohl das Trikot mit der Nummer 13 anziehen, dessen bisheriger Herumträger Slobodan "il poverino" Komljenovic auch bei seinem nun hoffentlich endgültig letzten Spiel für den FCK bei den Bayern wieder einmal hilf- und lustlos wie der Storch im Salat auf dem Platz herumstolzierte. Nicht einmal der Gegner interessierte sich noch für ihn, so dass er meistens mehrere Meter Platz um sich herum hatte. Aber zurück zum Großen Plan:
Wie man aus dem Text der Anzeige herauslesen kann, geht es einzig und allein darum, durch Vermeidung des Erreichens eines internationalen Wettbewerbs den ach so sensiblen Mitarbeitern, formerly known as knallharte Profis, unnötige Aufregung durch

  • ständige beschwerliche Auslandsreisen
  • zuweilen schmerzhafte Anwendung sogenannter "internationaler Härte"
  • lautes Geschrei des Publikums
  • übermäßige Bewältigung englischer Wochen

und andere Unannehmlichkeiten diverser Art in Zukunft zu ersparen. Dies führt zum Kapitalerhalt ("Die Mitarbeiter sind unser größtes Kapital"), somit zu größerer Bindung an den Arbeitgeber ("Vereinstreue", "Identifikation mit dem Verein/der Region/dem Fan"), sowie durch Einsparung von Reisekosten, UEFA-Cup-Prämien und dergleichen zu einer gleichzeitigen Senkung der Personalkosten, mithin ein Beitrag des Präsidiums zum wirtschaftlichen Klassenerhalt. Als Kompensation für den Verlust internationaler Spitzenspiele (Glasgow, Alaves, ... ) bemüht sich der Verein intensiv darum, daß bei der WM 2006 einige Spiele auf dem Betzenberg stattfinden können sowie um ein Saisoneröffnungsspiel gegen einen hochrangigen Vertreter aus Österreich oder Liechtenstein, sofern dieser rechtzeitig aus dem UI-Cup ausscheidet. Andernfalls wird, porca miseria, die ran-Journalistenelf als Gegner herhalten müssen.

Die Mehrzahl der Spieler hat Den Großen Plan verinnerlicht und ungefähr seit April, alles dazu getan, sich ihre gesegnete Mittwochsruhe zu verdienen. Die Spieler, die sich mit Dem Großen Plan nicht identifizieren, wie z.B. Georg Koch, dessen bedingungsloser Leistungswille nur durch mehrfaches Nichtantreten der nominellen "Abwehr" neutralisisert werden konnte, dürften den Verein mittelfristig freiwillig verlassen.

Mit einem ganz ganz negativen Beingefühl verabschiedet sich
Ein Echter Lauterer

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24.04.2001 Jeder blamiert sich so gut er kann von Ein echter Lauterer
Autor:
Ein echter Lauterer
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