15.01.2002 In anderer Sache
Ein viel bestürzenderes Thema als sonst treibt mich heute um:
Da entblödet sich doch tatsächlich der weltgrößte Sportverband, vulgo DFB, nicht, einigen tatkräftigen und engagierten Fußballfans durch Schlagen mit der fianziellen Fliegenklatsche das Wort zu entziehen. Eben das Wort, das man besser rechtzeitig dem nachmaligen Präsidenten ebendieses Verbandes ein für allemal entzogen hätte.
Die Zitate sind bekannt, wer sie nicht kennt, der kann sie auf vielen Seiten im Internet nachlesen, z.B. unter www.aktive-fans.de.
Es ist ebendieses unüberlegte und obendrein strohdoofe Geschwafel über Germanen und Polen, das denjenigen, die die Lufthoheit an den Stammtischen innehaben, viele begeisterte Zuhörer bringt. Bei diesen Zuhörern wird unterschwellig das Gefühl erzeugt, daß Taten von den Schwaflern gerne gesehen wären und wohlwollend betrachtet würden. Das ist genau der Grund, warum gerade dieses hohle Stammtischgeschwätz noch viel gefährlicher ist als eine doch so verabscheuungswürdige Hakenkreuzschmiererei im Herrenklo, ohne daß der Schwätzer gleich ein Nazi sein muß; obwohl andererseits manch ein solcher Schwätzer nur als Dummschwätzer verschrien ist und sich bewußt so schelten läßt, weil er auf die unterschwellige Wirkung vertraut.
Ein Präsident des DFB, der sich in einer Vorbildfunktion befindet, darf solche Äußerungen prinzipiell einfach nicht tätigen. Immerhin steht er einem Verband vor, der vieles gegen nazistische Parolen in Stadien unternommen hat. Und solche Sprüche unterlaufen die Bemühungen des DFB. Die Zitate stehen unwidersprochen im Raum, also gehe ich davon aus, daß sie authentisch sind. Eine Entschuldigung zur rechten Zeit, z.B. wegen jugendlichkeits-, alkohol- oder freudentaumelbedingter Enthemmung, hätte man eventuell mit erheblichem Tadel noch gelten lassen können: Jetzt ist es auf jeden Fall dafür zu spät. Jetzt bleibt nur noch eins: Rücktritt! Aber daran glaube ich ehrlich gesagt nicht, da MV viel zu sehr von sich eingenommen ist, als daß er die Tragweite seines Handelns begreifen wollte.
Aus dem zeitlichen Zusammenhang heraus (Furtok & Lesniak,sein blonder Freund Klinsmann gerade mal über den Alpen) könnte es gut sein, daß MV die Aussagen während seiner Amtszeit als baden-württembergischer KULTUSminister getätigt hat, also in einem Amt, das der Erziehung der Jugend gewidmet ist! Aber damals hat er ja auch dafür plädiert, daß die baden-württembergische Jugend mehr Patriotisches lernen solle, etwa daß der Neckar bei Heidelberg in den Rhein mündet.
Soviel zum Präsidenten. Nun zum Geld: Es kann doch nicht sein, daß der DFB die paar tausend Öre, pardon Euro, nicht zahlen will. Oder bezahlt er vielleicht die Gesinnung?
Und die nun wirklich lächerlichste Figur in der ganzen Affäre ist Michael Preetz, der sich erst als Schirmherr der Ausstellung sonnte und dann sofort nach einiger Zeit der Ausstllung, als selbst der DFB die Texte endlich gelesen hatte in voraus- oder nacheilendem Gehorsam dieses Amt niederlegte. Ein eher biegsamer Gewerkschaftsfunktionär, der ganz offenbar weiß, wem er verpflichtet ist.
Und was denken Spieler wie z.B. ein Miroslav Klose, dessen Eltern aus Polen kommen, wenn sie im weißen Trikot mit dem Bundesadler auf dem Platz stehen und MV auf sie zukommt, weil er ihnen die Hand schütteln oder ihm im Freudentaumel gar um den Hals fallen will?
Peinlich, peinlich,
meint
Ein Echter Lauterer
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