07.08.2001 Pecunia non olet....

"Geld stinkt nicht", entgegnete vor 2000 Jahren Kaiser Augustus seinen Beratern, die ihm den Gedanken auszureden versuchten, Geld für die Benutzung der öffentlichen Bedürfnisanstalten zu nehmen. Ohne Erfolg, denn Augustus wußte nur zu gut, daß der Drang, wenn er denn einmal da ist, so stark werden kann, daß sich zwangsläufig das Staatssäckel damit füllen lassen kann.
Gut 2000 Jahre später: Tatort Olympiastadion Berlin. Trotz allem Gerede um PCB und andere Marginalien fand das erste Heimspiel der Saison statt. Endlich konnte ich auch wieder meinen alten Platz im Block N aufsuchen, den ich letzte Saison wegen des Stadionumbaus im Block nicht buchen konnte. Nur eines suchte man im gesamten Nordteil des Stadions vergebens: Toiletten. Die haben die Jungs erst einmal alle dicht gemacht. Vier Halbe vor dem Spiel, da konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis....
Und, ja, in der Halbzeitpause war es dann soweit. Die Blase war bis zum Zerplatzen gefüllt und so mußte das Bier, ob man wollte oder nicht, jetzt sofort weggestellt werden. "Nur was tun", sprach Zeus, "die Götter sind besoffen und der Olymp ist vollgekotzt?" Die Fans gewisser Vereine haben damit ja kein Problem. Die stellen sich einfach vorne an den Oberrang und beglücken die im Unterring Stehenden. Aber unsereiner als gesitteter Fan?
Für einen Mann der Tat gab es da nur eins: Reißverschluß auf, an den Bauzaun gestellt und den Strahl auf den Bausand gerichtet. Mitten hinein in die Aktion, die einem ein tiefes Gefühl der Erleichterung brachte, zog der lange Arm des Gesetzes an meiner Schulter derartig heftig, daß ich dem grimmigen Ordnungshüter beinahe auf sein grün gewandetes Bein, .... äh gepinkelt hätte. Forsch fragte er, was ich hier machen würde. "Herr Wachtmeesta, det sehn Se doch!" und packte dabei erst einmal wieder ein und zog den Reißverschluß hoch. "Det Urnier...., unani....., Pinkeln an den Bauzaun is aba vabotn. Jeb'n Se mir mal Ihrn Ausweis!"
Genervt gab ich ihm meinen Perso, er schrieb sich alle relevanten Daten ab und führte eine Anfrage durch. Wollte er überprüfen, ob ich bereits in irgendeiner Pinkelliste geführt werde. Mitnichten. Es war eine Überprüfung, ob ich ein registrierter B- oder gar C-Fan sei. Liegt bei dem Vergehen ja auch nahe. Während er auf die Antwort wartete, offenbarte er mir, daß ich eine Ordnungswidrigkeitenanzeige bekommen werde. Meinen dezenten Hinweis, daß man nicht alle Toiletten auf dieser Seite schließen könne, begegnete er mit der Tatsache, daß an der Ost- und an der Westseite jeweils ein Toilettencontainer stehen würde. "Ja, aber woher weiß ich..." - "Is mir wurscht. Ich bin nicht der Veranstalter. Punkt." Ende der Diskussion. Sodann fuhr er fort, daß so etwas außerdem ein Hausverbot nach sich zieht.
Wie bitte? Hausverbot für Prügeln, Rauch, Feuerwerkskörper, Pyros, o.k. Aber fürs Pinkeln an den Bauzaun??? Oh Tempora, oh Mores! Glücklicherweise ist der Sicherheitsbeauftragte ein alter Freund von mir, so daß dieser Krug an mir vorüberging. Aber nein, das ist doch grotesk. Einerseits den Leuten die Toiletten dicht machen. Kaum Ersatz zu schaffen bei ausverkauftem Haus und diesen noch nicht einmal kenntlich zu machen? Ich für meinen Teil werde gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen und die Gerichtsverhandlung zum Happening machen. Denn was habe ich schon getan? Ich habe gegen das Hitler-Stadion gepinkelt. Jawoll, ich bin ein Widerstands-Pinkler....

Teil II dieser Provinz-Posse folgt.

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Autor:
Bert Handschumacher
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