02.08.2001 Die ultimativen Ohrlaschen-Charts

Die Bundesliga läuft wieder, Schalke läßt den anderen Vereinen einen Spieltag Vorsprung, also Zeit mal zu überdenken wer nicht alles mal links und rechts eine verdient hätte. Einfach so. Okayokay, die Idee ist nicht sonderlich originell, genau wie die meisten folgenden Nominierungen dies nicht sind, aber andere schreiben seit über einem Jahr daß Andy Möller scheiße ist, da brauch ich mir dann wohl wirklich nix vorwerfen lassen, nüch?

Übrigens kann und soll diese Auflistung natürlich in keinerlei Konkurrenz zu den amtlichen Sack-der-Woche bzw. Tor-des-Monats-Charts stehen. Nur falls einer sich auf den Schlippes getreten fühlen sollte.

Erster Gedanke: Wie viele Plätze sollen es denn sein? 10? 20? Sicher wären noch mehr möglich, denn an Arschlöchern mangelt es dem deutschen Fußball ja nun wahrlich nicht. Aber welche hätten es nach ganz vorn verdient? Und wie könnte man deren Plazierung nett in Worte fassen? Also, es wurden dann 13 Leutchen. Ist auch 'ne schöne ungerade Zahl. Here we go:

13. Johannes B. Kerner (Sabbler):
 
Gefiel mir in den ersten 2 Jahren von "ran" noch am ehesten, also zu der Zeit als er noch etwa doppelt so viel auf die Waage brachte wie heutzutage. Verscherzte sich seine Sympathien jedoch vollends, als er anfing, Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu kommentieren. Er hat es geschafft, daß ich Zeit meines Lebens Anhänger des jeweiligen Gegner der deutschen Nationalmannschaft sein werde, schon allein wegen seines Zitates "Und es ist mehr als nur ein Märchen, daß eine deutsche Nationalmannschaft erst nach 90 Minuten besiegt ist" sowie dafür, daß ein Hauch von Anerkennung mitschwang, als er davon berichtete wie es kollektiv von den Rängen "Steht auf wenn Ihr Deutsche seid" kötzelte. Ist ja nur Fußball, da darf man schon mal den Patriotenlarry machen, selbst wenn das auf die platteste Art und Weise vollzogen wird. Gehört ignoriert bzw. für die jeweiligen Tage einzelinhaftiert, wenn Deutschland spielt.
12. Frank Mill (Segler):
 
Kultivierte den inzwischen im Lexikon zu findenden "Dortmund-Elfmeter". Heißt: In den 16er hecheln, dem Gegner in die Eier kneifen, sich fallen und den Schiri pfeifen lassen. Wird seitdem gehegt und gepflegt (Chapuisat, Riedle, Möller, Herrlich, Ricken, Dede, Oma Rosa dürfte der nächste sein).
11. Jürgen Jansen (Schieber):
 
Allein diese Kauleiste. Ist sicher BVB-Fan. Könnte ich mir zumindest vorstellen. Auf Verdacht einfach mal eine Plazierung in den mittleren Rängen, verdient hat er es sicher. Schon wegen... jeder weiß es. Herrlichs Segler, Jiri Nemec will ihm freundlicherweise aufhelfen und Jansen zeigt dem guten Jiri dafür Rot.
Hmm, ist SICHER BVB-Fan, wenn ich es genau bedenke.
10. Werner Lorant (Westfale, auch wenn man es kaum glauben mag):
 
Kommt alle paar Wochen mit Rücktrittsdrohungen angeschissen und will trotzdem immer noch ernst genommen werden. Und das obwohl er, wie er nicht müde wird zu wiederholen, mit dem TSV 1860 München Deutscher Meister werden will. Und das jedes Jahr. Schön. Klassische Zitate: "Das kann doch wohl nicht mein Ernst sein" sowie "Du hast von Tüten und Blasen keine Ahnung".
9. Jupp Heynckes (Glühwürmchen):
 
Beantwortet jede Frage, egal welche, mit "Also ich war ja schon in ... und in ... sowie in ... Trainer, allesamt europäische Topvereine, und da war ich auch erfolgreich..." usw. usf. Legendär seine Meisterschafts-Rede vom Balkon, als er im Suff den Fans versprach in der folgenden Saison den Europapokal zu holen. Noch legendärer die PK nach dem Halbfinal-Spiel Schalke-Teneriffa 1997, als er (Deutscher) darauf bestand, mit den Journalisten (allesamt Deutsche) die PK auf spanisch abzuhalten, und zwar erst dann, wenn Stevens nicht mehr im Raum ist. Wurde zurecht von Assauer daraufhin zusammengefaltet.
8. Hartmut Engler (PUR):
 
Hat mit Fußball weniger was am Kittel, darf in einer Aufzählung dieser Art aber natürlich nicht fehlen.
7. Der unbekannte Bundestrainer neben mir in der Nordkurve:
 
Kennt jeder. Steht auch in jedem Stadion der Welt. Es gab eine Zeit, da hab ich diese Oppas mit taubenblauen Bundfaltenshorts, braunem Gürtel, beigen Socken und braunen Sandalen geradezu angezogen. Jürgen, mein ehemaliger Kurvenkollege, hatte immer Spass inne Backen, wenn Mister Trainer spätestens mit Anpfiff neben mir stand. Besagter Trainer kannte das Ergebnis schon vorher, hätte mindestens 7 der 11 anwesenden Stammspieler nicht aufgestellt, und fiel durch ein nicht zu stoppendes Mundwerk auf. Keine 10 Sekunden, während derer es nicht irgendwie altklug oder dreist aus ihm herauströpfelte. Und immer, aber wirklich immer, nach jedem Satzende zu mir: "..., ne?" Es ist es nicht einfach, dem Mann mit "Oppa, getz halt einfach mal Deine Fresse!" zu kommen, aber nix anderes hilft hier.
6. Lothar Matthäus (alter Mann):
 
Bixente Lizarazu ist zu beneiden. Was muß das einfach schön gewesen sein, dem Oberstreber schlechthin einfach mal saftig eine zu pflastern. Wenig in der Birne, aber mit diesem kleinen bißchen hausieren gehen, bis der Arzt kommt. Auch das "Herr-Lehrer-ich-weiß-was"-Syndrom genannt. Behauptungen, daß jeder, der mit Matthäus sympathisiert, automatisch nix im Leben zuwege bekommt, weil ihm (dem Sympathisanten) eben das fußballerische Genie fehlen und er ansonsten wie Loddar nix vorzuweisen hat, sind absolut zutreffend.
5. Bernhard Zerr (Schieber):
 
Ich erinnere mich gut an seinen ersten Einsatz in der Bundesliga, Mitte der Neunziger beim Spiel Hansa Rostock gegen weißichnichtmehr. Wollte einen Rostocker mit Gelb verwarnen, welcher ihm dann mit einer leichten Berührung von Zerrs Brusttasche bedeuten wollte, doch Gelb stecken zu lassen. Was Zerr dann auch tat und "Rot" hervorholte. Wegen Majestätsbeleidigung. Wird in dieser Saison wieder eingeführt, das "Rot wegen Schiri-Touché". Das Copyright darauf darf Herr Zerr für sich reklamieren und künftig den "Zerr-Platzverweis" nennen. Ist ansonsten dafür bekannt, faire, vor sich hinplätschernde Spiele durch nicht nachzuvollziehende Entscheidungen... ähm, interessant zu gestalten. These mit Gesetzescharakter: Es gibt keine Mannschaft, die Zerr nicht schon mehrfach entscheidend verpfiffen hat. Der schlechteste Schiri Deutschlands, trotz Jansen, Strampe und Fandel.
4. Stefan Effenberg (wegen Frau und Geisteszustands Bemitleidenswerter):
 
Dummheit und Arroganz halten bekanntlich gern Händchen. Bei Effe gehen die beiden jedoch nicht nur Hand in Hand, nein, sie sind sogar verheiratet. Und immer noch verliebt. Und wie! Wäre, wenn er nicht das in den Beinen hätte, was er nun mal hat, vermutlich Straßenschläger geworden. Jaaa, nix ist bewiesen, weder die Wemserei mit dem Heckenpenner noch die Watschn für Frau X in irgendeiner Münchner Dizze. Dennoch wurde bei Effe, vorzugsweise während seiner Gladbacher Zeit, verstärkt beobachtet, wie er, nachdem er gefoult wurde, oftmals die Faust ausholte, als Drohgebärde der Marke "Ich schlach Dich kapott, Dooo" quasi. Kennt man ansonsten nur aus dem Kindergarten oder aus der Grundschule, diese Gestik. Wenn der größte Schläger in der Kindergarten-Gruppe ruhig gestellt werden soll, dann gibt man ihm eine Aufgabe. Gruppen-Aufpasser oder so. Oder später halt Mannschaftskapitän. Q.e.d.
3. Jürgen Kohler (Verteidiger):
 
Wird von den Lüdenscheidern gern als "fairer, souveräner Sportsmann" bezeichnet. Das ist gleich drei mal gelogen. Der Mann ist keine Spur "souverän", wobei sich die Frage stellt, was das genau bedeutet. Nehmen wir mal die handelsübliche Übersetzung "der Sache gewachsen". Ja, das ist Jürgen Cola schon lange nicht mehr. Seit Jahren hat er den Zenit überschritten, schummelt sich aber immer wieder Matthäus-like mangels Alternativen in die Stammelf. "Fairer Sportsmann"? Lächerlich. Ausgerechnet er. Der Kokser ist Wiederholungstäter, wenn es darum geht, den gegnerischen Stürmern mit dem Ellenbogen das Nasenbein zu brechen. Weiterhin erinnern wir uns gern an die Begegnung BVB-St. Pauli, als Kohler ohne gegnerische Einwirkung wie vom Blitz getroffen aus dem Stand zu Boden sinkt, sein Gesicht mit beiden Händen bedeckt als wäre er gerade mit der Nase zuerst gegen eine Wand gelaufen, sein Gegenspieler "Rot" sieht und die Fernsehbilder nur eines zeigen, nämlich daß überhaupt keine Berührung stattgefunden hat. Nicht mal eine Andeutung dessen. Ist aber stets der erste, wenn es darum geht zum Schiri zu rennen und das Heulen anzufangen.
Wenn ich es recht überlege... doch, einen Grund gibt es ihn aufzustellen: Denn wenn ihm eine Stunde lang ein Jürgen Kohler mit pansigem Mundgeruch auf den Hacken steht (sofern dies aufgrund seiner unterdurchschnittlichen Geschwindigkeit und seiner unterirdisch schlechten Technik überhaupt noch möglich ist) und permanent das Trikot vom Leib zu zerren versucht, dann hat auch ein technisch brillanter Stürmer einfach keine Lust mehr.
2. Sudel-Uli (Retter Fußballdeutschlands):
 
Guter, ja vermutlich sogar sehr guter Manager. Als Mensch jedoch... Siehe auch seine Rolle in der Daum-Affäre, als er unter dem Deckmäntelchen des Wohles für Fußballdeutschland seine niederen Instinkte auslebte und das Denunziantentum ein temporäres Revival feierte. Permanent quallte es aus ihm heraus, daß wenn die Gerüchte um Daum und Drogen denn stimmen... blabla. Und dann den kleinen, schrumpeligen Penis einziehen, wenn man ihn mit den Gerüchten um Daum und Drogen... er habe ja nur rezitiert. Das hingegen aber hat er gewaltig. Und zwar einen kleinen Artikel, den sonst niemand zur Kenntnis genommen hätte. Aber so ist er, der Uli. Und genau deswegen ist er das, was er eben ist: Der unbeliebteste Mensch Deutschl der Welt. Weiterer mal-eben-ohne-Hirn-ins-Mikro-gerumpelter Hoeneß-Klassiker, diesmal zum Anlaß des Länderspiels Türkei-Deutschland in München: "Es hätte verhindert werden müssen, dass so viele Türken ins Stadion gelassen werden." Unnachahmlich.
1. Martin Dahlin (keine Ahnung, Fußballer jedenfalls nicht):
 
Und somit quasi Papst Anus I. Selten... nein, noch nie hat ein Fußballer dermaßen viele schlechte Eigenschaften in sich vereinnahmt wie der schwedische Fettsack. Klopper, Schwalbenkönig, und obendrein eine fußballerische Vollwurst. Hatte ein eher gutes Jahr in Gladbach (1995/96 mit 15 Toren) sowie zwei durchschnittliche Jahre zuvor am selben Ort, wobei jeder fußballerisch nur einigermaßen Interessierte weiß, daß es nichts besonderes ist in Gladbach mal 1 Jahr positiv aufzufallen, denn das haben sogar Berufsverfehler wie Heiko Herrlich und Kalla Pflipsen (demnächst Hannover 96, alles klar?) schon geschafft. Ansonsten ist er gnadenlos untergegangen, egal wo er anheuerte. In seiner gnadenlosen Selbstüberschätzung ging er zum AS Rom, wo er natürlich auf der Tribüne landete. Also das ganze nochmal, eine Nummer kleiner bei den Blackburn Rovers. Wieder Tribüne. Logo. Jetzt glücklicherweise endlich Invalide. Das allein wäre natürlich noch kein Grund, diesen Mann zum Speien zu finden. Aber wer mal gesehen hat, wie Dickerchen gnadenlos in Kollegenfersen und -knochen holzt, wer mal gesehen hat, wie peinlich er sich mit meterweise Abstand von irgendeinem Gegenspieler mit schmerzverzerrtem Gesicht fallen läßt und so offenbart, wo Schwälbchen Pettersson das Fliegen gelernt hat, ja, wer diesen Mann einfach mal in seiner unsportlichen Gänze miterleben durfte, beispielsweise als er Matthias Sammer von hinten in die Gebeine drosch, daß es nur so krachte (alle Schalker vergeben mir ausnahmsweise, daß ich einen Dortmunder in Schutz nehme; es dient der Wahrheitsfindung), und sich hinterher auch noch darüber beschwerte, dafür "Gelb" zu bekommen, wo nur "Rot" bzw. "Berufsverbot" die einzig adäquate Strafe gewesen wäre, der weiß, daß in dieser Auflistung nur er die Krone verdient hat. Auf Lebenszeit versteht sich.

Scheiße, schon jetzt fallen mir Namen ein, die ich vergessen habe: Otto Rehhagel, Oliver Held, Heribert Faßbender, Bechti Vogts, Mayer-Vorfelder (wie konnte der mir entfallen?), Thomas Berthold, Beckenbauer, Blatters Sepp, Waldi Hartmann, Ciriaco Sforza, Mario Basler, Winnie Schäfer... Nächstes mal dann.

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Autor:
Michael Koll
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