08.10.2003 Der Fluch des Aberglaubens

Fußballer sind ja überwiegend abergläubisch. Das geht sogar soweit, dass manche Spieler peinlich genau darauf achten, mit welchem Fuß sie zuerst den Rasen betreten. Trainer haben Glückspullover oder –jacken und mancher Torjäger mag auch schon einen Pfennig in seinem Strumpf versteckt haben.

Fußballfans können aber noch viel schlimmer sein. Die achten auf die Glückszigarette zur richtigen Zeit, überlegen, in welcher Hosentasche sie beim letzten Heimsieg die Eintrittkarte, das Feuerzeug oder die Geldbörse getragen hatten, ob der Fanschal ein- oder zweimal um den Hals gewickelt war, ob sie beim Auswärtsspiel, welches sie am Internet-Ticker mitverfolgten, zur Halbzeit ein Stück Kirsch- oder Aprikosenkuchen gegessen hatten ... Das Dilemma ist, dass man ja anfangs nie so recht weiß, welcher Gegenstand oder Ritus das Glück erzwungen hat. Wenn etwas aber zweimal funktioniert hat – muss dann nicht etwas dran sein?

Ich bin ein Opfer meines Aberglaubens. Am 13. September konnte ich aus beruflichen Gründen den ganzen Tag über keine Informationen über die Bundesliga bekommen – und mein VfL gewann überzeugend in Rostock. Da fiel mir natürlich noch kein Zusammenhang auf. Wohl aber jetzt, als sich am vergangenen Samstag der deutliche Erfolg über den FCK einstellte – und ich auf Grund einer dringenden Privatangelegenheit erst am Folgetag Gelegenheit fand, im Internet die Bundesliga-Ergebnisse abzurufen.

Unangenehme Fragen tauchen auf. Gewinnt der VfL in dieser Saison nur dann souverän, wenn ich mich am Spieltag nicht um ihn kümmere? Steht uns eine Zittersaison bevor, wenn ich ständig mitfiebere? Haben wir konkrete Meisterschaftschancen, wenn ich mein Sportinteresse auf Dressurreiten und Synchronschwimmen umlenke? Teufel auch, man stelle sich das vor: Mein Verein spielt die Saison seiner Geschichte und ich kann, nein, ich DARF mich nicht zeitgleich damit befassen?

Ich werde auf Nummer sicher gehen müssen. Die nächste Dienstreise kommt bestimmt. Dann werden wir es ja sehen. Noch lieber wäre mir allerdings, der VfL könnte die Punkte aus Gelsenkirchen auch in meinem Beisein, oder zumindest unter meiner Anteilnahme einfahren. Ich würde mir bis zum Beweis des Gegenteils jedenfalls erlauben, daran zu glauben, dass mein Fluch des Aberglaubens damit gebrochen wäre.

nächster Beitrach in der Rubrik VfL Bochum:
27.08.2003 Der Transfer-Coup von David F.
nächster Beitrach von David F.:
08.09.2003 Rudis Ratespiel in der Rubrik Fußball und Fernsehen
Autor:
David F.
Anmerkungen? Kritik?
Ab ins Forum
Links
offizielle Seite
bochum-fans.de
 
DVD
VfL Bochum-DVD
Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid? [DVD]
>>  zum Shop