02.02.2004 Monica und ich

Die kleinen Dinge sind es, die das Leben lebenswert machen, jawohl! Klar, man möchte immer gern alles, und das sofort, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, der Genussfaktor ist doch noch viel größer, wenn die Fortschritte klein aber stetig sind – sonst weiß man sie am Ende kaum noch zu schätzen (was man dann auch das Bayern München-Syndrom nennen könnte).

Wie würde der durchschnittliche Fußballverrückte sich einen perfekten Samstag vorstellen? Etwa so vermutlich: Morgens ausschlafen und in den liebevollen Armen der Freundin erwachen, nach dem Austausch einiger Zärtlichkeiten gemütlich aufstehen und beim Frühstück ohne Gezeter die Sportzeitung vertilgen, dann nach einem gemütlichen Einkaufsbummel bei strahlendem Sonnenschein die Liebste bei ihrer Freundin absetzen, sich mit den Kumpels treffen und zum Heimspiel fahren, sich an einem 6:0-Erfolg der eigenen Lieblinge erfreuen und schließlich bei Betrachtung der Sportschau auch noch Misserfolge der Tabellennachbarn zur Kenntnis nehmen dürfen. Ja, das klingt perfekt.

Mir mangelte es am vergangenen Samstag an mehreren Grundvoraussetzungen für einen solch perfekten Samstag. Es fehlten mir dazu schon vorab die Freundin und die Sportzeitung und von Sonnenschein konnte auch nicht die Rede sein. Im Gegenteil, Schnee, Regen, Schneeregen und zu allem Überfluss auch noch Sturmböen trieben mich sogar soweit, von einem Stadionbesuch abzusehen! Immerhin bin ich nicht mehr der Jüngste und hatte in diesem Winter schon drei Erkältungen – da wird man schon mal aus reiner Vorsicht zum Weichei.

Ein großer Freund von Premiere war ich nie: Entweder bin ich am Spielfeldrand dabei oder ich erhalte mir die Spannung bis nach dem Abpfiff, indem ich mich völlig aus jeder Live-Berichterstattung heraushalte. Meistens jedenfalls, Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. An diesem 31. Januar 2004 machte ich keine Ausnahme und geduldete mich bis zur Sportschau.

Was hatte ich Angst. Angst vor einem Fehlstart meines ruhmreichen Vereins für Leibesübungen von 1848, Angst vor einer Niederlage gegen die argentinische Reserve-U21 aus der Autowerkstatt, Angst vor einer möglichen Spielabsage, die mich wieder über Wochen täglich hätte bange Rechenspiele betreiben lassen und Angst vor dem Wiedersehen mit Monica Lierhaus.

Monica Lierhaus hatte ich als Premiere-Ignorant seit Jahren nicht gesehen. Sie war mir zu SAT1-Zeiten als erste annehmbare weibliche Sportmoderatorin aufgefallen: Sabine Hartelt, die Töpperwien und Kristin Otto waren mit Fußball stets überfordert gewesen. (Übrigens weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass dies keine frauenfeindliche Einschätzung ist: Auch die Mehrzahl der männlichen Kollegen, allen voran so unsäglich ahnungslose Dummschwätzer wie Fassbender, Rubenbauer, Wontorra, Hartmann und der alterssenile Kürten, sind eine Plage für jeden Freund des Sports!) Monica also kommt zurück, wusste ich seit ein paar Tagen. Würde sie wieder angenehm ruhige Kompetenz ausstrahlen, Welke-Witzchen vermeiden und mit ihrer sanften Stimme meine Ohren betören?

Eigentlich waren meine Sorgen überflüssig. Mein Samstag wurde perfekt. Ja, meine Bochumer gewannen zwar nicht glanz-, sondern eher mühevoll gegen die seelenlose Betriebssportgruppe aus dem niedersächsischen Niemandsland, aber da mich bereits am Abend zuvor das Spiel zwischen Borussia Not und Elend 04 überzeugt hatte, dass wir keinen tieferen Grund zur Sorge um unseren Status als Nummer Eins im Revier haben mussten, reichte mir das blanke Ergebnis vollkommen für einen Schwall guter Laune.

Und dann war da natürlich Monica. Frei von Delling-Versprechern und Beckmann-Wortspielen führte sie souverän durch die Sendung, hinterfragte kritisch den Zustand der Krisenclubs aus Pfalz und Bundeshauptstadt und ließ sich wieder einmal nicht anmerken, dass ihr als Hamburgerin das derzeitige Tabellenbild doch eigentlich nicht besonders gefallen kann.

Nach der Sendung traf mich fast wie ein Blitzschlag die Erkenntnis: Monica ist meine Traumfrau! Sie versteht etwas von Fußball, strahlt Intelligenz und Sympathie aus, schwätzt kein dummes Zeug, hat eine angenehme Stimme und sieht zu allem Überfluss (für meinen persönlichen Geschmack) auch noch ziemlich gut aus! Jetzt müsste sie nur noch gut riechen ... Unter all diesen Umständen kann ich sogar darüber hinweg sehen, dass sie nicht Anhängerin des VfL Bochum ist – und im gleichen Moment über meine Kompromissbereitschaft staunen.

Der Samstag war perfekt! Und, ach ja ... Monica, falls Du das hier liest ... meld Dich doch mal ...

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