24.10.2004 Das böse, wahre Wort

Bochum und Dortmund hatten nie viel gemeinsam. Diese Aussage ist, wohlgemerkt, auf die führenden Fußballvereine der jeweiligen Stadt gemünzt, denn für die Städte selbst gibt es durchaus die ein oder andere Parallele festzustellen, im Guten wie im weniger Guten.

Aber bleiben wir beim Fußball. In Dortmund umgab man sich gerne und phasenweise auch durchaus erfolgreich mit dem Glamour der großen weiten Welt, man dachte europäisch, holte nationale und internationale Titel, baute aber auch zuweilen Luftschlösser. In Bochum galt das Gegenteil: Stets blieb man mit beiden Beinen fest am Boden, drehte jede Mark zweimal um, setzte auf Heimatverbundenheit, Kampfkraft und Zusammenhalt und lebte auch damit, von den Nachbarn zuweilen belächelt zu werden. So entstand das längst nicht mehr gültige, aber aus den Köpfen der Ewiggestrigen nicht zu vertreibende Image der grauen Maus, die in schlechten Zeiten den meisten Fans anderer Clubs egal ist, in besseren jedoch berechtigt Sympathie und Respekt erntet.

Wir schreiben Herbst 2004 und da lese ich in einem Artikel des geschätzten kicker-Sportmagazins ein Kunstwort, welches mir fast Schüttelfrost beschert: Die Rede ist von der Dortmundisierung des Bochumer Spiels. Nein, keine Panik – der Vorstand des VfL hat nicht plötzlich begonnen, Millionen mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen, gemeint hatten die Herren Redakteure wirklich nur das Geschehen auf dem Platz. Geschockt war ich dennoch. So geschockt, dass ich seither drei Wochen brauchte, in denen ich in jeder Partie die Spielweise meiner Heroen noch viel genauer unter die Lupe nahm, als ich es ohnehin schon zu tun pflege, um das böse Wort zu verarbeiten. Und kein Augenreiben half: Das böse Wort ist wahr!

Der BVB hat in Koller einen Mittelstürmer, der wie ein Leuchtturm aus jeder gegnerischen Abwehr herausragt. Dass der Mann durchaus technische Qualitäten mit dem Ball am Fuß vorweisen kann, scheinen seine technisch ebenfalls nicht unbeschlagenen Mitstreiter wie Ewerthon oder Rosicky allzu häufig zu vergessen: Der Ball wird weit und hoch in Richtung Koller gedroschen, der erreicht ihn zwar, kann ihn jedoch allein auf Grund der numerischen Überlegenheit der gegnerischen Abwehrspieler selten behaupten und so versandet das Angriffsspiel des BVB, bevor es richtig begonnen hat.

Der VfL hat in Lokvenc einen Mittelstürmer, der wie ein Leuchtturm aus jeder gegnerischen Abwehr herausragt. Dass der Mann durchaus technische Qualitäten mit dem Ball am Fuß vorweisen kann, scheinen seine technisch ebenfalls nicht unbeschlagenen Mitstreiter wie Madsen oder Wosz allzu häufig zu vergessen: Der Ball wird weit und hoch in Richtung Lokvenc gedroschen, der erreicht ihn zwar, kann ihn jedoch allein auf Grund der numerischen Überlegenheit der gegnerischen Abwehrspieler selten behaupten und so versandet das Angriffsspiel des VfL, bevor es richtig begonnen hat.

Für beide Clubs ist die Situation beschämend und bedrohlich. Beide Teams haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie es besser könnten, beide sind mit 8 bzw. 7 Punkten aus 9 Spielen erbärmlich in die neue Saison gestartet, und beiden muss man bescheinigen, dass Pech dabei nur eine Nebenrolle spielte – sie stehen zu Recht dort, wo sie aktuell stehen: in Abstiegsgefahr.

Nun ist die Saison noch lang, 25 Spiele stehen noch aus. Ich bin geneigt mit mir selbst eine Wette abzuschließen: Jener der beiden Mannschaften, der es zuerst gelingt, dem Rumpelfußball abzuschwören und zum Kombinationsspiel zurück zu kehren, wird noch ein Platz in der oberen Tabellenhälfte zuteil werden, denn die Leistungsdichte der Liga ist in diesem Jahr, so zeichnet es sich bereits ab, wieder enorm, es wird wieder einmal möglich sein, nach dem 30. Spieltag noch in Abstiegsgefahr zu sein und vier Wochen später einen UI-Cup-Platz erreicht zu haben.

Und wenn es ganz finster kommt? Dann bin ich froh, auf Bochumer Seite zu stehen – und das meine ich eher voller Mitleid als mit Häme. Denn dem VfL wird die Lizenz für die zweite Bundesliga ohne größere Probleme erteilt werden. Beim BVB hätte ich da Zweifel.

P. S.: Wer sich jetzt fragt, wie man nach 9 Spieltagen schon so schwarze Perspektiven an die Wand werfen kann, dem sei gesagt: Es ist die Art und Weise der Niederlagen, die mich zutiefst erschrocken hat. Es liegt nicht am Willen, den Vorwurf mangelnder Kampfbereitschaft kann man nicht erheben. Das macht die Sache fatal!

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16.09.2004 Das Ende aller Serien von David F.
Autor:
David F.
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