26.08.2004 Meine Kühe, meine Schafe, meine Wiesen, meine Wälder, mein Dorf(verein)
Das Sauerland. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des FC Cobbenrode 1926 e.V. (sofern ich noch zum Schreiben dieser Story komme bevor mich ein Star Trek Fan wegen dieses mies geklauten Zitates assimiliert.)
Ich hab mich lange gefragt, ob ich nicht einen Beitrag über den FCC für die Blutgrätsche schreiben soll. Natürlich kommt man da schnell auf das Argument: „Das interessiert doch keinen außerhalb von Cobbenrode." (Na ja vielleicht noch die Menschen in den malerischen Nachbardörfern mit den noch malerischen Namen Oedingen oder Bracht.) Also muss ich wohl versuchen das Besondere an diesem Dorf und diesem Verein in den Mittelpunkt zu stellen.
Auf den ersten Blick ist Cobbenrode mitsamt seinem FC aber ein ganz normales Kuhdorf im eigentlichen Wortsinn. Gut tausend Einwohner, ein Tante-Emma-Laden, der inzwischen nur noch öffnet, wenn der Mond im dritten chinesischen Sternkreiszeichen der Ratte steht und einen Fußballverein, der ein paar Achtungserfolge vorzuweisen hat. Also eigentlich nichts besonderes, was es Wert wäre die Aufmerksamkeit von der glorreichen Welt des Profifußballs abschweifen zu lassen. Aber halt auch nur auf den ersten Blick, denn in Cobbenrode bekommt man Dinge geboten, die man sich woanders nicht mal in den kühnsten Träumen vorstellen kann.
Zum Beispiel Gespräche mit den Akteuren nach Spielschluss, die eine Klasse besitzen, die die Interviews auf Premiere und ARD niemals erreichen werden, wie hier nach einer klaren 0:7 Auswärtsniederlage:
Ich: „Das war heute aber nichts, was?"
Spieler (mit todernster Miene): „Na, mit den Stürmern, die wir haben, kann das doch auch nichts werden."
Oder in der Jubiläumsschrift zum fünfundsiebzigjährigen Bestehen des Vereins, der im Allgemeinen von der Presse und Anhängern „FCC" (überraschend nicht?) abgekürzt wird, eine ganzseitige Anzeige mit dem Spruch „Werde Mitglied beim FFC! Mehr als nur ein Verein." zu werben, das zeugt von einer Selbstironie, die man in der perfekt durchorganisierten Welt des Profisports vergeblich sucht.
Seit neuestem besitzt der Verein einen nagelneuen Kunstrasenplatz, der natürlich als ganzer Stolz des FCC gilt und gehegt und gepflegt wird wie die Kronjuwelen von Großbritannien. Zur Finanzierung der Anlage konnten die Dorfbewohner nun gegen eine kleine Spende die Patenschaft für ein Stück des Kunstrasens übernehmen. Dafür wurden sie dann auf eine Ehrentafel gesetzt, eine symbolische Aktion also, die bei solchen Bauten in kleinen Gemeinden durchaus üblich ist. Nun begab es sich, das einer der Gönner sich einige Tage vor der offiziellen Einweihung des Platzes sein Stück Kunstrasen abholen wolle, er habe es doch schließlich rechtmäßig für 19,26 € erworben.
Haben sie so eine Geschichte schon mal vom FC Bayern oder Borussia Dortmund gehört? Sehen sie, ich auch nicht. Und deswegen mag ich den FC Cobbenrode.
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Autor: Foo
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