12.03.2004 DSF - Der Supergau Folgt!

Immer wieder sonntags kam Rudolf Brückner daher - im Schlepptau mit Funktionären, Journalisten und Experten. Gut, man kann geteilter Meinung sein über den ständig dazwischenquasselnden Udo Lattek oder Thomas Helmers Frisur wie frisch aus dem Bett gefallen mit dazu unpassendem cremefarbenen Cordjacket. Derweil war Rudi Brückner wachsam wie ein Luchs, um jede Phrase sofort zu sanktionieren und mit hintergründigem Humor Themen und Thesen treffend auf den Punkt zu bringen - man erinnere sich nur an den folgenden Dialog:

Robert Wieschemann (FCK): "Wir haben ein Defizit an Durchblick und sind be…"
Rudi Brückner: "…schränkt was Ahnung an Fußball angeht."

Genial! Während der Zuschauer des Sport-Studios spätestens beim Verkünden der Gäste abwinkt so von wegen "Was soll der Kerner DEN denn fragen, was ich noch nicht weiß?", war der "Doppelpaß" informativ und tiefschürfend, entwickelte eine wahre Eigendynamik.

Doch nun - die Wende. Der neue Mann heißt Jörg Wontorra. Gütiger Steinbutt… Während der letzten "ran"-Saison neben dem lustigen Oliver Welke so verkrampft wirkend wie ein rheumakranker Limbotänzer, soll Margarethe Schreinemakers' Urlaubsvertretung nun durch den Sonntagmorgen führen und dabei ein Krombacher ums andere in die Kamera halten. Dies schafft Wontorra mit nur EINEM Gesichtsausdruck, nur EINER Stimmlage und dazu einer entgegenkommend-devoten Autoverkäufer-Haltung à la "Da kann man im Preis noch was machen. – Tu mir nicht weh, dann tu ich Dir nicht weh.“

Um die Leistungen dieses genialen Rehhagel-Intimus gediegen zu würdigen, möchte ich an Wontorras wohl großartigste journalistische Leistung erinnern, die er in der "ran"-Sendung des 34. Spieltags der Saison 99/00 zeigte. Mitfühlend, nachhakend, intelligent, das sportliche Geschehen in den Vordergrund stellen - so hätte man sich das gewünscht…

Der geneigte Fußballfan kennt den Ausgang der Saison.

Leverkusen trat mit der Formation Matysek - Zivkovic, Nowotny, R. Kovac - Schneider, Emerson, Ballack, Beinlich, Zé Roberto - Neuville, Kirsten in Unterhaching an und unterlag 0:2, Eigentorschütze: Ballack.

Bayern München unterdessen besiegte Bremen 3:1 mit der Aufstellung Kahn - Babbel, Andersson, Linke, Lizarazu - Salihamidzic, Effenberg, Fink, Scholl - Jancker, Sergio und wurde Meister.

Dann brach die "ran"-Sendung an und das Grauen gleich mit.

Jörg Wontorra [seine Gedanken sind mit » und « gekennzeichnet], der einem Walter Freiwald im Anbieten unnützen Krempels wahrlich in nichts nachsteht, findet natürlich die Entscheidung der Meisterschaft um Dimensionen uninteressanter als die Frage: Wer gewinnt den "Fuxx" der Saison? Dieser "Fuxx", ureigene Erfindung von Sat.1, wurde einstmals in mehreren Kategorien vergeben, doch nachdem Lars Ricken noch mit Mitte 20 zum wiederholten Mal den "Jungfuxx" der Saison gewann (…), wurden die Regeln modifiziert. Nur noch Trainerfuxx und Spieler der Saison wurden gewählt. Unter diesem Aufruf zur Wahl litt die Sendung von Anfang bis zum Ende.

Spätestens als dann Daum und Hitzfeld zugeschaltet waren, lief Wontorra zu wahrer Hochform auf. »Na Christoph, alter Loser, heul doch!« Während Daum wie in Trance von den Pflichten gegenüber der Presse erzählte, knüppelte Wontorra wahrhaft hirnlos auf ihn ein. Noch eine rechts, noch eine links. Ob Daum schon verkraftet habe, was passiert sei. Wollen wir uns das Eigentor nicht nochmal anschauen? Herr Daum, Uli Hoeneß hat einige tröstende Worte für sie! - das ganze Studiopublikum bog sich vor Lachen, während Daum, aus dem Kopfschütteln kaum mehr herauskommend, noch tapfer warme Worte für die Leistung von Hitzfeld fand - O-Ton Wontorra mittenreinplatzend und freudestrahlend: "Er [gemeint ist Hitzfeld] hat auch den Trainerfuxx des Jahres gewonnen!" Und weil Daum unterdessen weiter zu Hitzfeld sprach, erneut Wontorra, genauso begeistert: "Er hat auch den Trainerfuxx des Jahres gewonnen!" »Wie kann Daum sich unterstehen dazwischenzureden, wenn ich das verkünde?«

Schließlich mußten die Herren Kahn, Effenberg und woanders Leverkusens Emerson vor die Kamera treten, um den Ausgang zur Wahl des Spielerfuxxes zu ertragen und zu kommentieren. Wontorra zu Effe: "Sagen Sie irgendwas!" Effe faselt was daher vom Meistertitel. Zweite Frage Wontorras: "Herr Kahn, Sie sind Meister geworden, hoffen Sie jetzt, auch noch den Fuxx des Jahres zu gewinnen?" Wer beigebracht bekam, es gäbe keine blöden Fragen, nur blöde Antworten, sieht sich eines besseren belehrt! Der traurige Emerson, der ohnehin kein Deutsch verstand - besser so! So blieb ihm Wontarras Gesülze im Originalton erspart! – bekam schließlich den Fuxx des Jahres verliehen - »Freu Dich, Du Undankbarer! Das ist doch ein angemessener Ersatz für die Meisterschaft!« Herr Effenberg, Sie sind nicht zum Superfuxx gewählt worden! Traurig? "Wir sind Meister geworden, das ist viel wichtiger als dieses komische Scheiß-X." Meine Hochachtung, Effe, besser hättest Du Wontorra diesen unerträglichen Bockmistschleim nicht zurückschmettern können!!

Einst moderierte Wontorra auf Sat.1 „Aktenzeichen XY light“: "Bitte melde Dich". „Leute, die nichts verbrochen haben, werden trotzdem gesucht.“ (Michael Mittermaier) Jörg, bitte melde Dich nicht, und schon gar nicht sonntagmorgens aus dem Airport-Hotel Kempinski am Müncher Airport zum Doppelpaß, gesponsert von Krombacher. Trink Dein Bier woanders. Ich spende drei Euro für einen Sixpack. Prost!

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Autor:
Skippy
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