09.05.2005 Fröhliches Geschwafel
Eines vorweg: Ich habe nicht wirklich ein Thema. Aber ein Beitrach wäre schon mal wieder fällig. Glücklicherweise bin ich gerade ziemlich in Laberlaune. Also, mal sehen, was so kommt. Immerhin gibt es ja einige frische Ergebnisse, die mich fröhlich stimmen. Ich sag mal Karlsruher SC - Rot-Weiß Erfurt 2:0, Hallescher FC - Carl Zeiss Jena 0:1...
Da komme ich doch erst mal zum Pflichtprogramm: Erfurt runtersauen! Im DSF wurde ja am Freitag um die mögliche Oberliga-Zugehörigkeit von RWE für die kommende Saison spekuliert. Holla sag ich da mal. Dass es finanziell so schlimm mit denen ist, wusste ich (mangels Interesse) gar nicht. Wäre auch irgendwie schade um das schöne Thüringer Derby nächste Saison in der Regionalliga. Ich meine, ich finde es durch und durch geil, dass der rot-weiße Zweitliga-Unfall beendet ist, aber vierte Liga muss dann doch nicht sein. Bezüglich des Erfurter Abstiegsgenusses möchte ich dann gleich noch mal präziser werden: Das finde ich alles so toll, weil gerade meine alte Jugendliebe KSC das Elend beendet hat. Hach, herrlich! Bin ich eigentlich unsachlich? Sorry, Fußball! Beim Hinspiel Ende letzten Jahres war ich ja zum ersten (und letzten und einzigen) Mal im Steigerwaldstadion um eben jene Jugendliebe zu besuchen. Dass diese dann böse verdroschen wurde, ist eine andere Geschichte. Nicht besonders rühmlich das. Aber dafür gab es ja jetzt die - sehr pathetisch ausgedrückt - Rache. Nun gut, dessen ungeachtet (um dann auch endlich mal zum beleidigenden Aspekt meines unkoordinierten Mitteilens zu kommen): Es ist schon schwer, sich zwischen Lachen und Weinen zu entscheiden, wenn man auf Erfurt guckt.
Da wäre z.B. das Stadion. Ich drück's mal vorsichtig aus: Der Erfinder des Wortes ‚Hexenkessel' hatte mit Sicherheit was anderes vor Augen. Apropos Augen, kleiner Tipp für anreisende Auswärtsfans: Das Spielfeld ist etwas weiter weg von den Rängen als in richtigen Stadien. Deshalb unbedingt Fernglas mitnehmen! Am besten, (Achtung, an dem Gag habe ich lange gefeilt!) ihr nehmt eins von Zeiss! An wen der Preis für das hässlichste Profi-Stadion geht, ist jedenfalls mal klar. Oder kennt jemand eins, in dem zwei Laufbahnen nebeneinander Platz hätten? Hm, rhetorische Frage. Der Rasen scheint auch meistens beschissen oder stumpf (weil trocken) oder beides zu sein. Aber gut, das wäre jetzt sehr pedantisch von mir... Weiter geht's mit der am Eingang grüßenden Ostbaracke, die wohl als Geschäftstelle dient.
Vielleicht gibt es Romantiker, die jetzt von Charme und Flair schwärmen würden. Ich mach's mir einfacher und gebrauche den Begriff ‚Assi-Kaschemme' (mit ohne Flair!). Wenn sie sprechen könnte, würde sie wohl etwas sagen wie "Lach nicht, das ist 'ne Behinderung!" Gelacht wird natürlich doch (ich persönlich hatte noch nie Probleme damit, Behinderte zu verhöhnen). Und dann gibt's natürlich noch die Mannschaft. Aber über die rede ich nicht. Da kenne ich mich nämlich kein bisschen aus. Ich bin hier schließlich auch nur auf unqualifiziertes Genöle aus, so! Der Inhalt ist im Übrigen auch nur Fassade um ein paar unverbrauchte Floskeln rauszuhauen, so! Wäre ja auch schade drum. Ach wisst ihr was, dann sage ich gleich noch abschließend was ganz Großes: Erfurt ist scheiße, so!
Da gehe ich doch lieber noch mal geistig ein paar Kilometer gen Osten und bin wieder bei Jena. Die scheinen ja nun doch aufsteigbar zu sein. Auf einmal kann man auch mal mit einem Tor Unterschied in Halle gewinnen, aha! Nicht schlecht! Sogar durchaus löblich ist das, würde ich sagen. So mal der einzige Konkurrent um den Staffelsieg in der NOFV-Oberliga Süd, der VFC Plauen, seine Spiele so oder so ähnlich (ergebnistechnisch gesehen) in schöner Regelmäßigkeit gewann. Da ist es meiner Meinung nach nur gerecht, dass sich Carl Zeiss auch mal durchwurschtelt. Obwohl das jetzt schon wieder abwertend klingt. Es war ja immerhin verdient! Jetzt könnte ich noch mit Jenas Torverhältnis angeben. Aber das wäre unwürdig, der Sache irgendwie nicht angemessen. Das hat so was von ‚Wer hat den Längsten?' Wäre schon etwas dumm und prollig. Und das ist ja nun wirklich nicht meine Sache (Smiley absichtlich weggelassen). Fest steht, dass die Mannschaft den Staffelsieg sicher hat. Darauf, dass Plauen die zwei ausstehenden Spiele (inklusive direktem Duell am letzten Spieltag) gewinnt und dabei 28 Tore aufholt, während Jena beide verliert, würde ich jedenfalls nicht wetten. Die Zeit für eine angebrachte Teilgratulation an den FCC ist also gekommen.
Genau in diesem Moment setzt es kurz bei mir aus. Ich grüble, ich grüble und schon bin ich bei einer Thematik, die mich alle paar Monate immer mal wieder beschäftigt. Ich spreche von dieser unsäglichen Relegation, die komischerweise nur im Osten existiert. So jetzt hole ich noch mal tief Luft und dann geht's los. Bitte alles was ich jetzt sage unter der Prämisse verstehen, dass ich nichts als ein Laie bin, der sich manchmal so Gedanken macht! Wer's besser weiß, kann mich gerne belehren.
Also: Dass die Regionalliga in der jetzigen Form nicht wirklich geil ist, brauche ich niemandem zu erklären. Die Ansammlung der Amateur-Teams ist nicht schön anzusehen. Diese müssen meines Erachtens in die Oberliga verschoben werden (was ich hier auch schon mal geäußert habe). Eine definierte Halbprofiliga sollte schließlich keine Schaubühne für das Ersatzlager erfolgsverwöhnter Erstligaklubs sein.
In der Südstaffel kommt noch ein zweites Phänomen (bzw. ein zweiter ärgerlicher Umstand, weil phänomenal ist eigentlich was anderes) dazu. Das der Dorfklubs. Dass der Süden durch diese Vereine gegen den Norden bezüglich Attraktivität ziemlich verliert, breite ich jetzt mal nicht weiter aus. Nur, da wären wir doch beim Punkt. Das kommt ja nicht von ungefähr. Es existieren acht Aufstiegsplätze in die beiden Regionalliga-Staffeln, aber immer noch mehr als acht (nämlich neun) Oberligen. Also muss im Osten Relegation gespielt werden. Ich will hier echt nicht in stumpfen Lokalpatriotismus abdriften, aber das ist für mich eine maßlose Ungerechtigkeit. Es geht dabei gar nicht darum, sich in irgendeiner Opferrolle zu suhlen und hier den armen Osten zu beheulen. So was hasse ich! Aber es ist schon so, dass die vorherrschenden Strukturen zwischen Regional- und Oberliga den oft bequatschten ostdeutschen Traditionsvereinen, die ja alle keinen Erfolg haben (die Armen!) nicht gerade entgegenkommen. Die Art, wie die einzelnen Staffeln zusammengewürfelt sind, entbehrt für mich jeder logischen Grundlage. Damit meine ich vor allem die Demographie, die beim DFB kein Kriterium zu sein scheint. Man überlege: Dem gesamten Gebiet der ehemaligen DDR plus Westberlin (das sind locker 17 Millionen Einwohner) steht ein Aufstiegsplatz in die Regionalliga zur Verfügung. Allein das Bundesland Hessen (zirka 6 Millionen Einwohner) bekommt auch einen Aufstiegsplatz, weil es bekanntermaßen eine eigene Oberliga hat. Und die Oberliga Süd-West setzt sich meines Erachtens auch nur aus den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland zusammen (das sind nicht mal 6 Millionen Einwohner). Da kratze ich mich doch mal am Kopf! Kann mir das einer erklären? Bin ich der Einzige, der da eine Schieflage erkennt? Und da wird im Fernsehen in schöner Regelmäßigkeit darüber debattiert, warum der Osten nahezu fußballerisches Brachland ist, warum die alten Traditionsklubs im Amateurfußball fest hängen... Ganz toll! Natürlich kommt man bei diesen Diskussionen auch stets auf das gleiche Resultat. An der fehlenden regionalen Wirtschaftskraft liegt's! Stimmt natürlich zum Teil. Trotzdem würde ich mal eher sagen, dass den Klubs kaum eine Chance gegeben wird, schnell wieder hochzukommen (um dann mit der Zugehörigkeit in einer höheren Liga ansprechender zu werden - für Sponsoren, Zuschauer und wechselwillige Spieler). Angesichts dessen wurde mir gerade während der laufenden Saison ein ums andere mal schlecht. Und zwar immer, wenn das DSF in dann doch ziemlich bigotter Weise den Ostfußball abgefeiert hat und immer wieder diese maskottchenhafte Verniedlichung mitschwamm, wenn über die Vereine geredet wurde. So nach dem Motto: Die Regionalliga ist von Ostklubs fast verwaist. In den NOFV-Oberligen stehen die Traditionsklubs Schlange und kommen nicht hoch. Aber schön, das wenigstens ihr hier seid.
Vielleicht ist das jetzt ein Scheiß-Statement, aber bei mir gingen die Mundwinkel auch manchmal nach oben, wenn z.B. die Dynamo-Fans auf ihre ganz eigene Weise Stimmung machten. Fragt euch mal, warum Ostfans gerne mal am Rad drehen und dem unerlaubten Stadionfeuerwerk nicht unbedingt abgeneigt sind! Macht man die Glotze an, sieht man als Fan garantiert eine zurechtgestanzte Maske, die alte Phrasen über Stadionetikette runterleiert, den Zusammenhang zwischen Fußball und Gewalt leugnet und einem die kunterbunte Welt des runden Leders erklären will. Dann wird noch schnell der Kultfaktor der geschichtsträchtigen Vereine beschworen, auf die zahlreichen friedlichen Fans hingewiesen und noch schnell viel Glück gewünscht. Weiter geht's mit dem Gewinnspiel. Na ja und angesichts der besagten Schieflage... Ich würde mal sagen, so was nährt den Frust. Also wenn ich mich in einen gewaltbereiten Fan hineindenke, ich würde auch...
Aber lieber wieder zurück zum Thema: Dass Vereine wie Wehen und Elversberg (nichts gegen Wehen und Elversberg!) in der Regionalliga Süd ihr Unwesen treiben und allein schon die Tabelle optisch irgendwie runterziehen (tut mir leid!), ist kein Wunder. Ich verstehe absolut nicht, warum gerade der Südwesten Deutschlands offensichtlich bevorzugt wird. Es wird ja wohl kaum eine DFB-interne Fünfjahreswertung geben, die den dort ansässigen Fußball als zuletzt besonders erfolgreich ausweist und entsprechend honoriert. Scheiße, was für ein blöder Gedanke! Würde außerdem auch nicht hinhauen. Ich habe noch dunkel die einjährigen Regionalliga-Aufenthalte von Borussia Fulda und dem 1. FC Eschborn im Kopf. Ach Mensch, und wenn ich auf meine Stecktabelle gucke, sehe ich, dass die Amateure von Mainz 05 auch schon wieder auf einem Abstiegsplatz stehen, scheiße auch! Geht also alles nicht.
Meine perfekte Gliederung sähe so aus: Es gibt acht Oberligen, deren Gruppenerste jeweils aufsteigen (kann sein, dass man die Ligen im Zuge der Umstrukturierung auf jeweils 20 Vereine aufstocken müsste). Die Zusammensetzung sähe folgendermaßen aus: Eine für Bayern(S); eine für Baden-Württemberg(S); zwei für Nordrhein-Westfalen (Teilung in Nordrhein{S} und Westfalen{N} oder so ähnlich); eine für Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen(N); eine für Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein(N); eine für Niedersachsen, Hamburg und Bremen(N) und eine für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland(S). Die Buchstaben in den Klammern stehen für die entsprechende Regionalliga-Staffel, in die der jeweilige Gruppenerste aufsteigt (N für Nord, S für Süd). Ich hab's ausgerechnet: Es würde bezüglich der Einwohnerzahlen ziemlich genau hinkommen. Die Relegation wäre abgeschafft. Eine ausgeglichenes Kräfteverhältnis wäre hergestellt. Politische Grenzen würden endlich berücksichtigt werden. Was vor allem in Hinblick auf den Aufstieg in die Regionalliga mal ratsam wäre. Bisher gibt es ja eine imaginäre Grenze, die Nord und Süd teilt aber - oh Wunder - saudoof ist. Beispiele: die Sportfreunde Siegen (die meines Wissens mehrmals beinahe abgestiegen wären) spielen in der Südstaffel der Regionalliga, würden aber im Falle eines Abstiegs (momentan scheinen die eher auf- als abzusteigen, aber egal, ist ja nur Theorie) in die jetzige Oberliga Nordrhein kommen, deren Sieger aber für den Aufstieg in die Regionalliga Nord berechtigt ist. Oder (um hier in der Gegend zu bleiben): Jena würde jetzt im Falle eines Aufstiegs in den Süden einsortiert werden, während z.B. Leipzig oder Magdeburg (die beide in der gleichen Oberliga spielen) in die Nordstaffel kämen. Hallo? Na ja, weiterhin würden sich die beiden Regionalliga-Staffeln in Sachen Attraktivität nähern (Vereine wie Düsseldorf und Wuppertal würden dann in der Südstaffel spielen und wären zugegebenermaßen quasi als Opfer verdammt, über süddeutsche Dörfer zu ziehen - hehe). Im Osten hingegen blieben regional attraktive Spiele erhalten (wiederum hehe). Was jetzt womöglich sehr egoistisch daherkommt, ist in Wahrheit aber nicht so tragisch. Immerhin gibt es in NRW so viele Profi-Klubs - denen tut das nicht weh (ich und meine aufgesetzte Koketterie, *Kopf schüttel*). Und Düsseldorf wird eh in den kommenden Jahren wieder in die zweite Liga aufsteigen (bei dem Stadion, den Fans und der großen Stadt im Rücken). Wäre also alles nicht so schlimm und würde auf jeden Fall zu ausgeglichenerem Wettbewerb beitragen. Und (um dann noch mal den Bogen zu kriegen) die besprochenen Ostvereine hätten eine reelle Chance sukzessive aufzusteigen und sich zumindest in der Regionalliga festzusetzen (da gehören Vereine wie Magdeburg, Leipzig und Halle meiner Meinung nach auf jeden Fall hin). So etwas wie letztes Jahr, als Plauen den Amateuren von Hertha BSC in der Relegation unglücklich unterlag und deshalb weiterhin in der Oberliga bleiben musste, würde es dann jedenfalls nicht mehr geben. Und mir würde nicht andauernd die Galle hochkommen (schön wäre das). Zusammenfassend ist das jedenfalls mein Vorschlag. Für diejenigen, die das alles scheiße finden, und denen mein bemühtes Gelalle hier auf den Sack ging. Sorry, hab nur laut gedacht! (Vielleicht sollte ich den Titel doch noch mal ändern?)
Im Grunde ist ja im Moment auch alles halbwegs in Ordnung. Jena wird demnächst gegen Babelsberg oder Neuruppin zwei mal gewinnen und folgerichtig aufsteigen. Jawohl! Infolge dessen werden hier viele Leute ihre Fanartikel wieder aus dem Schrank holen und ihren Arsch auch mal wieder Richtung Stadion bewegen um für einen angemessenen Support zu sorgen. Und da überlege auch ich (der mieseste Fan aller Zeiten) mir, ob ich nicht den Kernbergen mal wieder ‚Guten Tag' sage. In komplett peinlicher Manier würde ich dann wie die letzte Nutte im Stehplatz-Block sein und so tun, als hätte ich die ganzen letzten Saisons mitgelitten. Wisst ihr was? Ich glaub, ich mach das.
Ach und noch was: Ich hab mein Liverpool-Trikot schon rausgekramt. Wer noch?
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Autor: Szyslack | Anmerkungen? Kritik? Ab ins Forum |
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