07.08.2004 Bundesligaauftakt
Da war er, der Bundesligaauftakt. Werder gegen Schalke. Ailton gegen die übrigen Meister. Charisteas gegen die Nicht-Europameister. Klose gegen … vermutlich wieder gegen sich selbst. Aber man fängt natürlich nicht direkt mit dem Spiel an. Wenn man nicht weiß, wann der eigentliche Spielbeginn ist, kann man ganz böse überrascht werden. Zum Beispiel mit dem Gesicht von Lothar Matthäus … ach, halt, nein, Klinsmann. Tschuldigung, bei all den gesichtslosen Halbtrainern kann man schon mal durcheinander kommen. Aber, man guckt sich ja alles an, in lauter Vorfreude auf die Bundesliga, man guckt sich sogar eine ARD-Bratze an, deren durchaus hübsches Gesichtchen darüber hinwegtäuscht, dass sie völlig inhaltslose Fragen stellt. Aber macht nix. Klinsmann hübsches Gesichtchen täuscht ja auch darüber hinweg, dass er so gut wie keine Antworten gibt. Halt, doch, eine: Ailton wird wohl nicht für Deutschland spielen, schließlich ist er gebürtiger Brasilianer. Richtig so, sage ich und versuche, lauter zu sein, als Bobic, Podolski, Neuville, Dundee, Kuranyi (oder wie auch immer) und Klose, die alle in meinem Gehirn sind und kreischen, dass das kein Argument sei. Macht nix, ich gucke weiter ARD, das betäubt das Gehirn und die Stimmen sind still. Ich gucke weiter Vorberichterstattung. Denke ich zumindest, denn plötzlich heißt es: Störung! OH GOTT! Das erste Spiel dieser Saison und dann gleich Störung! Was für ein Omen, schrecklich, die Hölle tut sich auf, noch ein Abend ohne Fußball. Schon denke ich an die Möglichkeiten, dem zu entrinnen und öffne eine weitere Flasche Bier, während der immer noch helle Balkon und die unglaublich warme Luft mich dazu verleiten …
Und dann, urplötzlich, war die Störung vorbei. Aber nur scheinbar, denn anstatt ihr geplantes Programm fortzuführen, brachte die ARD einen Videoclip mit einem Werder-Bremen-Song, ich weiß nicht, wie der wirklich hieß und es ist mir auch egal. Tatsache ist: Da ich kein Anhänger von Bremen bin, wirkte dieses ‚musikalische’ Etwas auf mich wie der Versuch eines Schülerchors, den eigenen Dorfclub zu besingen. Oder, wie ein Jubelsong von Ditze Bohlen auf die bolivische Nationalmannschaft. Mit einem Wort: Ein unerträglich beschissenes Gejaule! Und die ARD bringt es gleich mehrmals hintereinander, um die eigenen technischen Schwierigkeiten zu kaschieren. Ich für meinen Teil war kurz davor, meinen Fernseher aus dem Fenster zu schmeißen.
Und dann, potzblitz, war er zurück: Angelos Charisteas. Ich meine, der Bericht zum Bundesligaauftakt, wo uns ein pseudoblonder Möchtegernjournalist mitteilte, das Chari von nun an sein Gott sei und ich fragte mich, wann denn nun, um Himmels Willen, endlich das Spiel anfangen würde. Bevor noch schlimmeres passierte.
Irgendwann kam dann auch DJ-Ötzi. Das, zugegeben, war Schlimmeres und zudem noch über eine halbe Stunde, nachdem ich den Fernseher eingeschaltet und gehofft hatte, etwas über die kommende Bundesligasaison zu erfahren. Aber ich beklage mich nicht, ich war ja selbst schuld, schließlich hatte ich die Berichterstattung über die vergangene EM miterlebt.
Kurz nach Ötzel folgte dann die zweite Störung. Eigentlich war das alles gar nicht schlecht geplant von der ARD, wahrscheinlich wollten die mit solchen Fernsehberichten mehr Leute live ins Stadion bringen, was ja nicht schlecht wäre für den deutschen Fußball. Aber mir drängt sich da schon die Frage auf, welche technischen Schwierigkeiten es einer wahrscheinlich nicht gerade kleinen Institution wie der ARD bereiten kann, ein Fußballspiel, nebst dazugehöriger Berichterstattung, von Bremen nach … na ja … Deutschland zu übertragen. Stumm, und mit einem Alkoholpegel, der das geplante Maß ob der unvorhergesehenen Quälerei schon bei weitem überschritten hat, schlage ich mit der Hand vor den Kopf und harre der Dinge, die da noch kommen. Ich bin bereits extrem aggressiv und das, obwohl noch gar kein Fußball gesendet wurde.
Was darauf folgt ist die Meldung: ‚Leitungen sind gestört und wir senden ein Ersatzprogramm’. Oder so ähnlich. Ich weiß es nicht, ich sitze hier, tippe, schütte Bier in mich hinein und warte auf die magischen Worte wie ‚Anpfiff’, ‚Bremen’, ‚Schalke’ oder ‚Fußball’. Eigentlich wollte ich einen Bericht über meinen Bundesligaauftakt vor dem Fernseher berichten (ich bin Kölner, daher gibt es für mich insofern keinen ‚Bundesligaauftakt’, bzw. wenn, erst am Sonntag), aber das wird wohl nichts, ehe die ARD ihre Leitungen hinkriegt, bin ich wahrscheinlich wohl längst unterm Tisch.
Vielleicht auch besser so. Im Endeffekt kann man sich ja denken, wie das alles endet. So wie alle ‚Eröffnungsspiele’ nämlich: 0:0 oder bestenfalls 1:1.
Ailton wird wegen dem ungewohnten Umfeld und gewohnter Lustlosigkeit nicht nur das Tor nicht treffen, sondern wahrscheinlich nicht mal den Ball. Klose wird zwar immer mal wieder per Körpersprache ‚Hier’ und ‚Ich bin ein guter Stürmer’ rufen, aber sobald er den Ball hat zeigen, dass das alles nur Spaß war und alle anderen Spieler werden, da sich kaum ein Reporter für sie interessiert, immer mal wieder den Ball zuschieben, in die Kamera grinsen und hoffen, dass Bayern oder Dortmund am Ende der Saison ein Angebot für sie abgeben werden, denn eins wissen sie mit ziemlicher Sicherheit: Weder Werder noch Schalke werden diese Saison im oberen Teil der Tabelle eine Rolle spielen.
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Autor: Bock | Anmerkungen? Kritik? Ab ins Forum |
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