16.11.2001 Wanted: Greuther Fürth
So, ich übernehme nun hiermit die vermutlich undankbare Aufgabe, über "die Greuther Fürth" zu schreiben. BVB-Fans aus Köln, Bayern-Fans aus Nürnberg, sie alle jammern mir die Ohren voll, was für ein schlapper Haufen denn die Spielvereinigung und ihre Anhängerschar sei, nicht mal in der Blutgrätsche seien sie vertreten. Das soll sich nun ändern.
Ich beginne mit einer Kurzzusammenfassung der wichtigsten Antworten auf Fragen über die Spielvereinigung Greuther Fürth, die mir immer wieder gestellt werden.
Warum heißt das denn so komisch?
Es war einmal die Spielvereinigung Fürth (ziemlich pleite, viel Historie, wenig Publikum, übelst abgestiegen) und der TSV Vestenbergsgreuth (nicht pleite, wenig Historie, kein Publikum, in 13 Jahren von der C-Klasse bis in die Drittklassigkeit aufgestiegen und nebenbei Bayerndemütiger). Weil es für keinen von beiden Vereinen so richtig voran ging, wurde fusioniert. So richtig leiden konnte man sich aber noch nie, und den eigenen Namen von der Fußballlandkarte verschwinden zu lassen war ebenso undenkbar. So entstand das Wortungetüm "Spielvereinigung Greuther Fürth".
Was ist denn der Krempel in dem Wappen drin?
Im Wappen befindet sich neben dem dreiblättrigen Kleeblatt (siehe auch: Shamrock Rovers, Celtic Glasgow, Irland, Panathinaikos Athen, Omonia Nikosia) der Spielvereinigung Fürth (Stadtwappen von Fürth) ein Holzschuh, den der TSV Vestenbergsgreuth mit eingebracht hat. Dieses Symbol entstammt dem Wappen der Patrizierfamilie Holzschuher.
Euch zahlt der Playmobil-Macker doch alles, oder?
Der Ronhof wurde nach der Fusion in Playmobilstadion umbenannt, aber nicht, weil, wie beim HSV, ein dicker Batzen Geld oder ein Wunderstadion (naja) in Aussicht stand. Das Stadiongelände ist Eigentum des Spielefabrikanten, die Gegenleistung für die Namensgebung besteht lediglich in einem längerfristigen Pachtvertrag zu günstigeren Konditionen als früher. Ohne diesen Pachtvertrag hätte der Ronhof auch nicht modernisiert werden können. Die Spielvereinigung hat zum Beispiel sogar die Asphaltierung der Blockzugänge in der (ebenfalls höchstselbst finanzierten) neuen Südkurve zahlen müssen. Da gibt's kein Land Bayern und vor allem keine Stadt Fürth (selbst verarmt), die dem Verein das Geld in den Anus schieben (Mitleid bitte JETZT).
Ansonsten ist alles wie bei allen anderen Vereinen. Auch wir Fans sind nix Besonderes, sei es im Aberglauben oder im Anfeuerungsverhalten. Aber eine richtige Besonderheit gibt es doch, und da kommen wir zur vor allem in letzter Zeit recht auffälligen Trainerfluktuation beim Kleeblatt. Und jetzt bitte guuut aufpassen, Herr Hach.
Alles begann mit der Fusion, und daher mit Armin Veh. Der kam, sah und stieg von der Regionalliga in die zweite BL auf. Nahezu täglich fuhr er aus dem heimatlichen Augsburg gen Fürth und Vestenbergsgreuth. Dann, zu Beginn der ersten Zweitligasaison, bezog er mit Familie ein Häuschen im Landkreis. Daraufhin folgte der sportliche Misserfolg und der Rausschmiss.
Weiter ging es mit Benno Möhlmann. Berg und Tal ging es mit dem Herrn, inklusive einer ziemlich übel vergeigten Aufstiegschance. Doch er blieb und wohnte im Hotel. Dann, eines Tages, nahm er sich doch eine Wohnung, die offenbar so schrecklich war, daß er kurz danach unter Vortäuschung sportlicher Aspekte nach Bielefeld fliehen musste.
Dann kam Uwe Erkenbrecher, und was soll ich sagen? Nach über einem halben Jahr Hotel wollte auch er sesshaft werden.... Daher hatte natürlich auch Paul Hesselbach als hier wohnender Erzfranke keine Chance.
Beim letzten Kick der Spielvereinigung war ich übrigens nicht einmal im Stadion, was aber wirklich superselten vorkommt. Statt dessen schob ich gemütlich das Töchterchen durch den Wiesengrund und ermöglichte so der Dame des Hauses den Livegenuss von Fürth vs. Berlin.
Dennoch, ein paar Zeilen Berichterstattung seien erlaubt. Schließlich blieb, Hach hin, Hach her, in einem ziemlich wichtigen Punkt alles beim Alten: beim Versieben von absoluten Hochkarätern, und diesem Dilemma konnte ich ebenfalls schon ungezählte Male beiwohnen. Einer sehr tollen ersten Halbzeit, in der man den sichtlich vom Wettbewerbsstress gebeutelten Gegner eigentlich erlegt haben sollte, folgte ein recht magerer zweiter Abschnitt, nach dem man mit dem Punktgewinn noch zufrieden sein musste. Außerdem war natürlich auch der Schiri wieder scheiße, - schnarch - gähn.... Kenn' mer scho, nix verpasst.
Viele Fragen drängten sich an diesem Sonntag dennoch auf:
Ist Winnie Schäfer schuld, daß Francis Kioyo seit seiner Zugehörigkeit zur kamerunschen Nationalelf nicht mehr trifft?
Kann ein Trainer beim Vereinswechsel sympathischer werden?
Warum stellt sich der Club bei der Viererkette so dämlich an, wo scheinbar doch alles so furchtbar einfach ist?
Wird Rachid Azzouzi jetzt neuer Torschußtrainer?
Wo wohnt Eugen Hach?
Wir werden sehen... (nicht "Schaun mer mal").
Oli
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Autor: Oli | Anmerkungen? Kritik? Ab ins Forum |
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