19.12.2005 O Zahlentraum

So, die ersten drei Titel der Saison sind unter Dach und Fach: Wir haben den UI-Cup gewonnen (okay, zwei andere Teams auch, aber was können wir für die Regularien?), die norddeutsche Herbstmeisterschaft geholt und stellen die beste Abwehr der Liga. Was kann man sonst noch über diese Hinrunde sagen?

Werfen wir mal einen Blick in die blutgraetsche-Datenbank:
Die gute Nachricht zuerst: Der HSV kann nicht mehr absteigen – jedenfalls wenn es nach der Statistik geht. Erstens ist noch nie ein Team in die zweite Liga gewandert, das sich nach Ende der Hinrunde unter den ersten drei wieder fand und zweitens gelten 40 Punkte als das klar rettende Ziel aller Abstiegskandidaten. Also: Es darf gejubelt werden.
Weitere Statistiken:
beste Hinrunde und bester Saisonstart seit der Saison 1986/87 - bester Saisonstart seit 1983 - zuletzt 4 Siege in Folge - seit 8 Spielen ungeschlagen - 4 Heimsiege in Folge - keins der Auswärtsspiele verloren – einzige Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg (wie konnte das passieren?) – 34 Pflichtspiele bisher diese Saison, soviel wie kein anderer Verein – dabei 24 eingesetzte Spieler - Topscorer: van der Vaart und Barbarez mit jeweils 6 Toren – bester Spieler: van Buyten (kicker-Durchschnittsnote 2,7) … - nur was sagt uns das alles?
Werden wir nun DFB-Pokalsieger wie 1987 oder holen wir sogar Meisterschaft und Europapokal wie 1983?
Ich sage: Schietegal!

Es ist mir egal, ob die Hamburger am Mittwoch auch noch die Bayern vermöbeln oder nicht. Und es ist mir egal, wie lange wir noch im Uefa-Cup mitspielen. Diese Hinrunde war so geil, diese Mannschaft macht so Spaß – ich sage einfach nur Danke!

Hätte mir vor der Saison einer gesagt, wir stehen Weihnachten auf Platz zwei, ich hätte ihm jeden Fußballsachverstand abgesprochen. Selbst als Frollein Geiger hier an dieser Stelle im Oktober schon das große Loblied sang, war ich immer noch skeptisch. Der erfahrene HSV-Fan ist leidgeprüft. Erinnert sich noch jemand an 1994/1995? Platz 3 am 11. Spieltag, Platz 13 am Ende. Oder aber (wir brauchen gar nicht so weit zurück) 2000/2001: Uefa-Cup-Träume bis zum Herbst, Abstiegskampf in der Rückrunde! Keine fünf Jahre her…

Aber etwas ist anders in dieser Saison. Worte wie „Spielfreude", „Kampfstärke" und „Teammoral" fallen. Rückstände werden umgebogen. Abwehrspieler führen Kabinettstückchen vor – ohne hinzufallen! Die Fans singen lange nicht gehörte Lieder und auch alte Kritiker stimmen Lobeshymnen an (Man erinnere sich an Beckenbauer und seinen Satz vom Beginn der Saison: „Dieser HSV kann Meister werden!" Der Mann versteht was vom Fußball.). Das Präsidium versteht sich. Sergej Barbarez lächelt sogar! Der Mannschaftsgeist geht um.

Und so musste auch ich bekennen, habe mein lange geliebtes Letschkov-Trikot ausgemustert und ein neues bestellt. Von Bastian Reinhardt. Denn er ist mein ganz persönlicher Spieler der Hinrunde. Der beste deutsche Innenverteidiger, der in der Bundesliga auf der Bank sitzt. Ohne sich zu beklagen und zur Stelle, wenn man ihn braucht. Danke, Herr Reinhardt!

Ach ja, ich schulde noch die schlechte Nachricht: Wenn der HSV in der Rückrunde nicht noch einen drauflegt und Meister wird oder zumindest den DFB-Pokal gewinnt, dann kann das neue Jahr leider nur schlechter werden.
Sorry Leute, aber die Wahrheit kann manchmal weh tun.

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DerPeder
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