12.12.2005 Trapattonis Schmerzball

"Die Spiele des VfB kann man nicht mehr ansehen so ein Gestochere, keine Aktionen gar nichts....
Trap ist ein Zerstoerer der Fussballkultur.
Ein Fussballlehrer von vorgestern. Es ist momentan schon schlimm was der VfB zusammenspielt. Fußball sieht für mich anders aus.
Fussball sollte Leidenschaft wecken, unter Trap geschieht das krasse Gegenteil.
Trap läßt einen Scheiß Fußball spielen, wer das nicht erkennt muß ein Fußballseminar belegen.
Es wird nicht besser, sondern im besten Fall stagnieren wir auf indiskutablem Niveau."

So liest man das täglich im VfB-Forum der Stuttgarter Lokalpresse und auch die nach Auflage hechelnde Lokalpresse selbst fährt bitterböse Geschütze auf und demontiert den galanten Maestro, der inzwischen nur noch positiv von seiner Mannschaft spricht, sie beschützt und zu ihr hält wie Foxi zu Fix. Enthusiasmus und Charakterstärke, Wille und Effektivität, das sind Trapattonis letzte Redewendungen über seine sich stabilisierende Truppe.

In den Stuttgarter Foren haust ein User namens Bart, der bitterbös und zynisch über des Maestros braunen Flanellmantel kotzt. Montiert man all diese Ablaichungen zusammen, kann ein bizarres Gedicht entstehen, das den Maestro in Dunst und Schauer einer Dark Gothic Lounge erscheinen läßt:

"Der muß weg

alterstarr und senil
lemmingschwätzer - ihr kapiert es nie

ahnungslose! warum kapiert ihr nicht
die signale? wahnsinn! skandale!
der muß weg

krampfaderabsicherungsgeschwader
wir stehen vor dem abgrund
laberlaber

die grinsekatz und der staudtsaugervertreter
treiben den verein ins nichts
ins nichts
ins
n........"

Der große Don Giovanni, der 19 oder 21 Titel eingefahren hat, den Präsident Staudt noch als den Erfolgsgarant mit Charisma und Mister Habermus bezeichnete, sieht sich den Schwankungen seines "Entdeckers" ausgesetzt: Zwischen Bekenntnis und Kündigung, die ihm nicht allzu sehr schwer fallen dürfte, da nur drei Monatsgehälter zu Buche stünden, taumelt "Unser Erwin" (Staudt) durch die offenen Welten. Generation "unentschieden" - hier und dort - im Präsidium und auf dem Spielfeld. Aber die Livekicker mausern sich, während die Vereinsspitze blockt.

Die Fans dagegen haben den Braten schon längst gerochen. Es geht überhaupt nicht um den Trainer, sondern um den fehlenden Mittelfeldregisseur, den kreativen Kopf, dem Mann des tödlichen Passes in die Tiefe des Raumes. Die Steilvorlage fehlt.
Steil kamen das schüchterne Rehlein Centurion, dann der faule Hakan Yakin, danach der bullige Herr Elson und nun der Zar Carevic aus der Wüste Saudi-Arabiens. Alles die ultimativen Herrscher des Mittelfeldes - alles bisher Fehleinkäufe. Kein Retter in Sicht und Trochowski, eigentlich bereits in Stuttgart gelandet (Stuttgart glaubte bei Bayern noch einen „gut zu haben“), zog es schließlich nach Hamburg. Dort blitzt ab und zu das auf, was Fachleute unter einem Regisseur verstehen.

Aber es stockt wie oben beschrieben nicht nur im Mittelfeld, nein auch sind es nicht der strukturell verankerte Geiz im Verein geschweige denn die sparsamen Sponsoren, nein es ist nur einer übrig geblieben: Maestro Giovanni, der Erfolgscoach mit Charisma, ist der Dackel von Schduagerd. Er malt 12 Spieler an die Pinnwand und nennt den Bankdrücker Hinkel „Klinsmann“ um den letzten Württenberger an seinen Lebensinhalt zu erinnern - nämlich bei der WM für Deutschland zu kicken.

Ich raufe mir die Haare, will die Welt nicht verstehen, rauche Kette und beruhige mich mit Malzbier! Ich wohne in unmittelbarer Nachbarschaft von Trapattoni und laufe so oft es geht seine Straße im Stuttgarter Gerberviertel entlang. Ich zucke zusammen: Ein Möbelwagen? Nein. Oder doch einer? Ja! Aber nicht bei Trapattonis. Er ist noch da! Die Unterhaltung kann also weiter gehen - the show must go on! Was erlaube Trap? Mache Umbruch - mehr als Hääääälfte von Mannschaft isse nuovo!

An jeder Ecke Maultaschenwerbung mit dem Mister, auch morgens um sieben im Radio, wenn der Mund noch nach einem mauen Mix aus Kaffee und Zahnpasta schmeckt. Auch nach der Arbeit, auf der müden Fahrt ins Training: Überall hüpft er von den plakativen Hauswänden: Don Giovanni und seine schwäbischen Maultaschen. Man wartet auf geniale Interviews aber nein - er hat jetzt seinen Dolmetscher. Es gibt immer weniger zum Lachen. Im Training rast und springt und hüpft er wie ein Besessener. Er bläst die Backen auf und pustet wie ein Yogaschüler, man bangt: “Dreht er nun ganz durch?“ Nein, er atmet durch, er schont sein eigen Herz, das uns Fans zu zerspringen droht. Er dreht sich und wendet sich und zeigt Tricks. Er schirmt den Ball ab, läßt ihn abtropfen wie einen nassen Waschlappen oder nimmt ihn an wie Zuckerwatte. Die Spieler zucken zusammen und schauen sich gegenseitig erschrocken an. Herr Trapattoni regiert und alles marschiert und der VfB klettert in der Tabelle.

Konzeptfußball und Ballkontrolle - "den Gegner beherrschen!"

Eine komplette Rückrunde ohne Auswärtsniederlage! Sensationell! Geil! Die Philosophie der aufgeklärten Kontrolle geht auf. Konzeptfußball des klaren Verstandes. Besinnung rules! Besonnenheit am Neckar! Geil!

Jetzt sind wir Siebter und immer noch kein Möbelwagen in Sicht. Trap will noch in die CL, so tönt er laut vom Cannstatter Wasen. Wenn das so weiter geht, werden wir Fünfter und ziehen dort ein, was wir sowieso mit Trap holen: den Uefa-Cup. Und nächstes Jahr werden wir Meister - mit the Mister, denn eins wissen wir alle: Trap braucht Geduld und Zeit und die haben wir gemütlichen Schwaben. Bis der Möbelwagen kommt.

nächster Beitrach in der Rubrik VfB Stuttgart:
23.10.2005 Der VfB passt nicht zur Stadt von vfb-seggl93
Autor:
vfb-seggl93
Anmerkungen? Kritik?
Ab ins Forum
Links
offizielle Seite
 
Buch
Lächeln mit dem VfB
Lächeln mit dem VfB
>>  zum Shop