17.10.2002 You shook me all night long oder: Muß das eigentlich sein?

Ist es eigentlich notwendig, ein Fußballstadion nach einem Tor unbedingt mit Musik zu beschallen?

Meiner Meinung nach nicht, vor allem wenn man bedenkt, wie laut es in der Arena Auf Schalke nach einem Tor ohnehin wird. Es handelt sich wohl um das lauteste Stadion in Deutschland (von offiziellen Messungen habe ich zwar nichts gehört, aber die meisten Stadien kenne ich selbst) und ich finde den Schallpegel ziemlich beachtlich. Gab es im Parkstadion solche audiovisuellen Orkane nur sehr selten und auch nur bei großen Spielen und vollem Haus, so wackelt das Stadion heute bei jedem Tor (und nicht nur dann), als wäre es gerne das Epizentrum eines kleinen Erdbebens.

Daher war ich auch sehr erstaunt, als ich beim UEFA-Cup Spiel gegen den FC (oder FK, genau weiß das wohl niemand) Gomel nach dem 1:0 plötzlich AC/DC aus der Beschallungsanlage röhren hörte. War es mir bis dato nur nicht aufgefallen oder war das neu, okay, bisher hatte ich aufgrund meines Urlaubes nur ein einziges Heimspieltor (gegen VW Wolfsburg) in dieser Saison erlebt, aber ich bin mir relativ sicher, dass es das in der vergangenen Saison noch nicht gegeben hat.

"Whatever you want" als Einlaufsong lasse ich mir ja noch gerne gefallen, denn wenn die ersten Töne erklingen, weiß man, jawoll, jetzt geht's gleich los, das ganze Stadion steht, klatscht die Mannschaft(en) heraus auf den Rasen und ist voller Vorfreude. Irgendwie kommt es einem so vor, als wäre das schon eine kleine Traditon.

Aber das Einspielen von "You shook me all night long" (oder auch irgendwelcher anderen Lieder) finde ich sehr entbehrlich, jeder hat doch wohl mitbekommen, dass einer von den Blauen genetzt hat. Okay, der eine oder andere hat vielleicht diversen Kaltgetränken so sehr zugesprochen bis die Knappenkarte "tilt" angezeigt hat (ich möchte mich dabei nicht kategorisch ausnehmen), aber ein Tor dürfte auch 2,7 Promille übertönen.

Auch die umsichgreifende Unart, nach Endspielen vermeintliche Stimmungslieder (We are the Champions, Die Hände zum Himmel usw.) in den Stadien zu spielen, finde ich unerträglich, die Fans des Siegers können auch selber singen und die Leverk..., äh, die Fans des Vizes wollen ohnehin nur schnell nach Hause.

Ich habe die Befürchtung, dass die Entwicklung hin zum Spektakel den eigentlichen Sinn, nämlich das Spiel und den Sport immer weiter in den Hintergrund drängt, im neuen Stadion kann man es beobachten, da gibt es Extraeingänge für die sogenannten VIPs, damit die Herrschaften sich nicht mit dem Pöbel zusammen in eine Reihe stellen müssen, da gibt es Leute, die sich in Internet-Foren darüber beschweren, dass es matschige Wege rund um das Stadion gibt und die helle Hose bespritzt wird, naja, solche Besucher (nicht Fans) sind wahrscheinlich der Preis für den Tempel im Berger Feld. Hoffentlich sterben die richtigen Fans, die ja lt. Aussagen der Schalker Führungsetage das große Kapital dieses Klubs sind, nicht irgendwann aus. Das wäre wirklich sehr schlimm, denn dann hätten die VIPs ja viel weniger zu gucken.

Den Ausdruck Arena für die neue Schalker Heimstatt vermeide ich übrigens absichtlich, da ich einfach nicht einsehen kann, warum überall die Stadien und Hallen plötzlich Arenen sind, AOL-Arena in Hamburg, AWD-Arena in Hannover, Kölnarena, ArenaO in Oberhausen, Allianz-Arena in München, was ist denn gegen die Begriffe Stadion und Halle einzuwenden, hat aber wahrscheinlich Vermarktungsgründe (weiß der Habicht, was z.B. in Hannover vermarktet werden soll). Außerdem finde ich Arena auch zu martialisch.

Wie wenig der Fan zählt, habe ich auch beim Pokalendspiel erlebt, trotz der Tatsache, dass ich seit den drei Zweitligajahren nur eine Handvoll Heimspiele verpaßt habe und seit fast zehn Jahren Dauerkarteninhaber bin, konnte ich auf normalen Wegen keine Karte für das Endspiel ergattern. Aber der Handel mit den Tickets im Internet blühte, als ich mir in Düsseldorf dann eine Karte für den stolzen Preis von 90 Euro (Normalpreis 32 Euro) abholte, war mir auch klar, warum die beiden Vereine nur jeweils 17500 Tickets erhalten haben. Der Mann, von dem ich meine Eintittskarte ersteigerte, erzählte mir auf Nachfrage, er sei Kunde beim DFB, hat schon ein paar Länderspielreisen gemacht und kann daher auch jedes Jahr zwei Karten für das Pokalendspiel kaufen. Na super, da kriegen Leute Karten, die das Spiel ein Scheiß interessiert und die Fans gucken in die Röhre oder kaufen für den dreifachen Kurs bei den Uninteressierten, die einen schönen Reibach damit machen, und alles nur, damit der DFB seine Kunden bei Laune hält, die vielleicht schon mal mit der Nationalelf nach Aserbaidschan oder Kasachstan gereist sind.

Das Endspiel war aber natürlich trotzdem genau wie im Jahr davor jeden Pfennig/Cent wert.

Irgendwann laüft es so ab, wie in den USA beim Football oder Basketball, wo Stimmung größtenteils von außen erzeugt wird, weil der Sport und die Fans das anscheinend nicht vermögen.

Allerdings möchte ich eines hier ganz klar deutlich machen: Das neue Stadion ist der Hammer, als ich die Stimmung beim ersten Heimspiel der letzten Saison erlebt habe, war das für mich wie ein großes Aha-Erlebnis. So ungefähr muß es für einen Katholiken sein, wenn er den Papst trifft und gleichzeitig eine Marienerscheinung hat. Unglaublich dieses Stadion, mit dem Parkstadion überhaupt nicht zu vergleichen, da mußte schon ein UEFA-Cup-Endspiel oder ein entscheidendes Ligaspiel herhalten, um eine solche Stimmung zu erzeugen.

So viel dazu, aber die negativen Begleiterscheinungen sollte man nicht verschweigen, wie bin ich eigentlich drauf gekommen, ach ja, "You shook me all night long", hoffen wir, dass die Blauen den einen oder anderen Gegner noch einige Male schocken, die Fans der anderen Teams mögen mir diese subjektive Meinung bitte nachsehen.

In diesem Sinne
Glückauf

Mike

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Mike
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