31.08.2002 Deutschland – Deine (kleinen) Traditionsvereine
Teil 3: Die längste Theke der Welt, Die graue Vorstadt, Im Schatten der Wasen

Man schrieb das Jahr 1895. Zu diesem Zeitpunkt war die längste Theke der Welt zwar noch nicht installiert, aber in Düsseldorf fanden sich einige Sportbegeisterte, um einen Verein namens Turnverein Flingern 1895 zu gründen. Eine weise Entscheidung, wie in den folgenden Jahren zu merken war. Fußball kam erst ab 1908 ins "Spiel" und im Lauf der Jahre entstand der Verein Fortuna Düsseldorf.

Am 11. Juni 1933 wurde (in Köln!!!) die "junge" Fortuna durch ein 3:0 gegen Schalke 04 Deutscher Fußballmeister.
30 Jahre später. Die Bundesliga wird gegründet, doch Fortuna qualifizierte sich nicht und spielte in der Regionalliga West.
Der Aufstieg wird 3 Jahre später perfekt gemacht, um nach einem Jahr wieder abzusteigen.
Doch 1971 schlägt die große Stunde. Fortuna steigt wieder in die 1. Liga auf und soll sich dort 15 lange Jahre aufhalten. 2 dritte, 1 fünfter und ein sechster Platz waren die höchsten Platzierungen, die Fortuna erreichen konnte.
In dieser Zeit gelang es den Düsseldorfern auch zwei mal den DFB Pokal zu gewinnen. 1979 gewann Fortuna gegen Hertha BSC mit 1:0 nach Verlängerung und 1980 konnten die verhassten Kölner mit 2:1 besiegt werden.
Zu dieser Zeit waren Spieler wie die Brüder Klaus und Thomas Allofs, Rudi Bommer, Gerd Zewe, Rüdiger Wenzel und Jörg Daniel an Bord, allesamt gestandene und gutklassige Spieler, die auch bei anderen Vereinen locker einen Stammplatz bekommen hätten.

1988 musste der Verein den Abstieg in die 2. Liga ertragen, konnte aber bereits 2 Jahre später den erneuten Aufstieg verbuchen.
Allerdings begann nun die Zeit der Fortuna als "Fahrstuhlmannschaft". Abstieg in die 2. Liga 3 Jahre später, dann der Abstieg in die Oberliga 1994. Wieder hoch in die 2. Liga 1995, erneuter Abstieg in die Regionalliga und dann Oberliga 2001.
Dazu kamen ständig finanzielle Schwierigkeiten und Trainerwechsel am laufenden Band.
Wobei der permanente "Stand-by-Coach" Alexandar Ristic wohl die schillerndste Figur abgab.
Legendär waren seine Auftritte bei Pressekonferenzen und Interviews sowie sein "Pattex" Trainerstuhl. Legendär waren auch die leeren Ränge im Rheinstadion, in das sich, außer ein paar hundert Hardcore Fans und den "Toten Hosen" niemand mehr verirrte.

Das Rheinstadion gibt es nicht mehr. Und hochklassigen Fußball in Düsseldorf schon viel länger nicht mehr. Die Fortuna kickt nunmehr wieder in der Oberliga Nordrhein und zwar im "Paul Janes" Stadion, jener Arena, die nach Fortunas Rekordnationalspieler benannt wurde.
Vielleicht kann man im Stadion am "Flinger Broich" wieder an die alten Zeiten anknüpfen und der Namensgeberin Fortuna alle Ehre machen.

Wenn man in Krefeld unterwegs ist, kommt irgendwann auch mal eine Abzweigung in den Stadtteil Uerdingen. Moment, war da nicht mal was? Uerdingen kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Genau da gab es mal einen Verein der sich FC Bayer 05 Uerdingen nannte. Nur wie heißen die heute und wo genau spielen die denn?
Zur Erklärung: Bayer heißt heute KFC Uerdingen 05 und spielt in der Regionalliga Nord.

Der Klub wurde 1905 als FC Uerdingen 05 gegründet und fusionierte 1953 mit der Werkssportgruppe der Bayer AG.
Als der Verein 1970 den Aufstieg in die Regionalliga West perfekt machte, wurden die Heimspiele von da an in der "Grotenburg Kampfbahn", einem Leichtathletik-Stadion, welches in den 20er Jahren gebaut wurde, ausgetragen.
1974 folgte der Aufstieg in die 2. Liga und 1975 bereits der Aufstieg in die Bundesliga. Allerdings verabschiedete sich Bayer nach nur einem Jahr wieder als Tabellen-Letzter. 1978 folgte ein erneuter Auf- und Abstieg. 1983 war Bayer aber wieder erstklassig und von da an begann auch die "große" Zeit von Uerdingen.
10. Platz 1984, 7. Platz 1985, DFB Pokalsieg 1985 mit 2:1 über Bayern München und 1986 der erste große internationale Auftritt. Nach einer 0:2 Hinspielniederlage gegen Dynamo Dresden im Pokal der Pokalsieger und einem 1:3 Pausenrückstand gab in ganz "West-Deutschland" niemand mehr auch nur einen Pfennig auf Bayer. Was folgte, war schier unglaublich. Bayer drehte das Spiel in der 2. Hälfte und deklassierte den Ostklub mit 7:3, was den Einzug ins Halbfinale bedeutete. Dort scheiterte man an Atletico Madrid, konnte aber eine erfolgreiche Saison, die Runde wurde mit Platz 3 abgeschlossen, verbuchen.

Bayer 05 hatte sich in diesen Jahren einen Platz im oberen Bereich der Bundesliga erspielt. Von Leverkusen sprach zu dieser Zeit niemand.
Dies sollte sich allerdings bald ändern. Nachdem die 05er in den späten 80er Jahren im unteren Mittelfeld der Liga rumdümpelten, folgte 1990 der Abstieg in die 2. Bundesliga.
Von nun an entwickelte sich der Verein zu einer sogenannten "Fahrstuhlmannschaft".
Wiederaufstieg 1991, erneuter Abstieg 1993, Aufstieg 1995, Abstieg 1996.
1996 war nicht nur das letzte Jahr für Uerdingen in der 1. Liga, sondern auch das Jahr der Namensänderung.
Als der Bayer-Konzern beschloss, sein Geld nicht mehr in zwei, sondern nur noch in einen Fußballklub (eben Bayer 04 Leverkusen) zu investieren, drehten die Chemiker den 05ern nicht nur den Geldhahn zu, sondern zwangen den Verein sich einen neuen Namen zu suchen.
Aus FC Bayer Uerdingen 05 wurde der KFC Uerdingen 05.

Wie gesagt, ein Jahr hielt sich der KFC noch in Deutschlands Elite-Liga, ehe 1996 der Abstieg in die 2. Bundesliga und 1998 der Sturz in die Regionalliga folgte.
Dort hält sich der Klub derzeit auf einem weniger ruhmreichen 15. Platz und wird es auch in Zukunft ganz schwer haben, wieder an die glorreichen Zeiten anzuknüpfen.

Wenn es den "Nicht-Schwaben" einmal nach Stuttgart verschlägt, sollte er unbedingt einmal den dortigen Fernsehturm besuchen. Wenn er es dann auch geschafft hat diesen zu erklimmen, wird sich manch einer, beim Blick in die Tiefe, verwundert die Augen reiben.
Folgende Szene könnte sich dort zutragen:
"Papi, was ist das da unten?"
"Das, mein Sohn ist ein Fußballstadion."
"Aber Papi, das ist doch so klein und der VfB spielt doch ganz woanders."
"Ich weiß, Junge. Da unten spielen die Kickers."
Kurze Pause.
"Papi?"
"Hm?"
"Was sind Kickers?"

Wir wollen den Kleinen ja nicht in Unwissenheit belassen.

Am 21. September 1899 fanden sich 5 junge Männer in Stuttgart zusammen um einen Sportverein zu gründen. Schnell einigte sich die "5 Freunde" darauf, dass der Verein hauptsächlich Fußball und Leichtathletik auf seine Fahnen schreiben würde, da der ursprüngliche Stammverein, Cannstatter Fußball-Club, sich mehr dem Rugby zugewandt hatte.
21 Mitglieder der Gründerversammlung einigten sich auf den Namen "Fußballclub Stuttgarter Cickers) und die Trennung von Cannstatt. Außerdem sollte der Verein in Zukunft Blau und Weiß statt des Cannstätter Rot tragen.
Gesagt getan. Die K(C)ickers waren geboren.

Doch bleiben wir beim Fußball.
Seit der Gründung der 2. Bundesliga im Jahre 1974, konnten die Kickers sich als festes Inventar betrachten. Platzierungen zwischen Platz 3 und 15 waren normal für den Verein.
Doch 1988 machten die Kickers erstmals in der 1. Liga auf sich aufmerksam. Nach 14 Jahren zweiter Liga setzte der Klub zum Sprung ins Konzert der Großen an. Aber statt Geige oder Cello spielten die Kickers nur die Triangel. Am Ende ihrer 1. Saison in Liga Eins, mussten die Kickers den bitteren Gang zurück in die 2. Bundesliga antreten.
Knapp war es allerdings. Mit 26:42 Punkten und nur mit dem schlechteren Torverhältnis gegenüber Frankfurt, Bochum und Nürnberg (alle 26:42 Punkte), hatte es den Klub erwischt.
Damals behauptete manch einer, wohl nicht ganz zu Unrecht, dass der Abstieg hätte vermieden werden können, wenn, ja wenn die Kickers in "ihrem" kleinen Waldau-Stadion, statt im großen "Neckar/Gottlieb-Daimler-Stadion" hätten spielen können.

Die Kickers hatten aber an der 1. Liga Gefallen gefunden und setzten alles daran wieder nach oben zu kommen. Und 1991 gelang ihnen das Kunststück Wiederaufstieg.
Leider musste der Klub erneut mit der Triangel und einem weiteren Abstieg vorlieb nehmen, obwohl wieder nur 1 Punkt fehlte (diesmal gegenüber Wattenscheid).

Und manch einer behauptete, dass.....

In der darauf folgenden Runde konnte Stuttgart die Klasse erneut nicht halten und fand sich bereits ein Jahr später in der Regionalliga wieder.
Der direkte Wiederaufstieg folgte. Allerdings konnten die Kickers nicht mehr "oben" angreifen und beendete ihr Abenteuer 2. Liga vorerst im Jahre 2001, als der erneute Abstieg in die RL folgte.
Und dort rackern und grätschen die Kickers heute noch – im Schatten des Fernsehturms.

Nächste Folge: Auf Siegfrieds Spuren, Eine kleine Borussia, Pommes Rot-Weiß

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Autor:
Thomas Brückmann
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