15.12.2002 Neues aus der Welt des Fußballs

Erdbeereis mit Sahne

Damit verbindet man für gewöhnlich das alljährliche Tennisturnier in Londons Stadtteil Wimbledon. Mehr oder weniger hübsche Damen tragen große Hüte zur Schau, löffeln o.g. Speise und Jahr für Jahr himmeln die Girlies einen anderen Spieler an.
Was gibt es sonst noch zu Wimbledon zu sagen? Der örtliche Proficlub, der FC Wimbledon, dümpelt nunmehr seit einigen Jahren in der 1st Division herum und interessiert nur noch die eigenen Hardcore Fans.

Mittlerweile aber bekommt ein weiterer Club aus dem noblen Vorort immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Rede ist vom AFC Wimbledon, einem "Retortenclub", der erst im Frühjahr diesen Jahres geboren wurde.
Es begab sich, dass eine Gruppe enttäuschter Sponsoren des FC Wimbledon ihr Engagement beendeten und die Idee hatten, etwas Eigenes aufzuziehen.
Man machte sich auf die Suche und fand die "Wimbledon Old Centrals", einen Division 8 Verein. Schnell wurden sich Club-Vorstand und Sponsoren handelseinig, ein Saisonetat von 100.000 Pfund garantiert und die "Old Centrals" in "AFC" umbenannt. Was der Name AFC bedeutet, ist mir leider nicht bekannt. Vielleicht "Another Football Club in Wimbletown", wer weiß.
Es wurden höherklassige Spieler verpflichtet und das Unternehmen Premier League konnte beginnen.
Nach nunmehr 20 gespielten Partien rangiert der AFC Wimbledon mit 43 Punkten hinter dem AFC Wallingford (52) und vor Ash United (39) auf Platz 2 der "Seagrave Haulage Combined Counties League" und der Aufstieg scheint realistisch.
Der Verein bleibt im Fokus der britischen Fußballfans und vielleicht heißt der Champion der Premier League 2012 AFC Wimbledon.

Könige ohne Krone

Nichts Neues ereignet sich derzeit in Australien. Während Perth Glory (ehemals das Team von Iraks Nationaltrainer Bernd Stange) und die Olympic Sharks aus Sydney, wie seit Jahren, einsam ihre Kreise ziehen, zieht langsam ein frischer Wind in der "National Soccer League" (NSL) auf.
Die "Football Kingz" aus Wellington in Neuseeland haben das Privileg als einziges ausländisches Team in Australiens höchster Spielklasse mitkicken zu dürfen. Seit ihrer NSL-Integration 1998 hielten sich die Kingz hartnäckig auf dem letzten Tabellenplatz, trotz des Engagements von Soccer Idol Wynton Rufer. Wie gut, dass es in der NSL keine Absteiger gibt, so hatten die Kingz genügend Zeit sich in der Liga zu orientieren.

Wynton Rufer beendet in 2 Wochen, im zarten Alter von 40 Jahren, seine aktive Laufbahn. Und zum Abschied haben die aktiven Spieler ihrem ehemaligen Spielerkollegen, Spielertrainer, Trainer und wieder Spielerkollegen ein schönes Geschenk bereitet.

Die Kingz rangieren derzeit auf dem 5. Tabellenplatz, einer Position, die der Club noch nie inne hatte. Wynton wird´s freuen, denn eine Teilnahme an den diesjährigen Playoffs scheint machbar und macht den Club und die Kiwis mächtig stolz.
Dass ein Team aus Neuseeland die Aussies ärgert, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Kiwis werden immer nur belächelt, es sei denn es geht um Rugby. Doch bereits der 2:0 Erfolg der "All Whites" gegen die "Socceroos" im Endspiel der diesjährigen kontinentalen Meisterschaft hat die Fachleute in Australien aufmerksam werden lassen. Und nun kommen noch die Kingz und wandeln in ungewohnten Höhen. Doch Vorsicht. Die Luft wird dünner, je höher man klettert und Atemschutzgeräte sind in der NSL leider verboten.

Wenn Du nett kommst, dann sperr ich Dich

So muss es wohl bei Nicolas Anelka angekommen sein, als er vom französischen Fußballverband für 2 Spiele gesperrt wurde, 2 Pflichtspiele für Manchester City wohlgemerkt.
Wie kam´s dazu? Anelka lehnte eine Einladung der "Equipe Tricolore" zu einem Freundschaftsspiel gegen Jugoslawien ab. Wohl auch deshalb, weil er bei der WM nicht berücksichtigt wurde und auch zu diesem Spiel nur als Ersatz für einen verletzten Spieler bedacht worden war.
Der Verband reagierte prompt und sprach die Sperre gegen Anelka aus. Das darf der Verband, da die Fifa Regeln besagen, dass ein Land einen Nationalspieler sperren kann, wenn er 15 Tage oder früher vor einem Länderspiel eingeladen wird und absagt.
Allerdings scheint es Frankreich einen anderen Kalender zu geben. Die Einladung bekam Anelka 6 Tage vor dem Match.

Alles Sellerie

Im Profifußball wird zuviel Geld bezahlt. Richtig.
Die Gehälter der Spieler, vor allem der Stars, sind eindeutig zu hoch. Auch richtig.

Die Vereine müssen in Zeiten der TV-Vertrags- und Vereinspleiten sparen. Korrekt.
Viele Vereine werden an ihren Stars zu Grunde gehen. Kann gut sein.

Diese Punkte nahm die Runde der G14 Klubs in Europa zum Anlass um nach einem Ausweg aus dem Dilemma zu suchen.
Das Zauberwort lautet: Salary Cap.
Nach amerikanischem Vorbild sollen die Profivereine Europas nur noch maximal 70% ihres Umsatzes für Spielergehälter verwenden dürfen. In Italiens Seria A liegt der Durchschnitt bei 88%. Jetzt wissen wir, warum Florenz in Konkurs gegangen ist und die beiden römischen Vereine am Hungertuch nagen.
Doch ganz so einfach, wie es die G14 Staaten, ..... ups, hoppla....., die G14 Vereine gerne hätten, geht es nun doch nicht. Drastische Gehaltskürzungen von unbedeutenden Spielern wie Zidane, Beckham, Figo, Rivaldo und und und währen die einzige Möglichkeit, dass diese Rechnung aufgeht.

Oder folgender Vorschlag:

  • Max. Gehaltsgrenze aller Vereine der G14 Ligen: pro Verein 40 Mio. €.
  • Die Spieler dürfen nach Beendigung ihres Vertrags bessere Konditionen, evtl. auch im zweistelligen Millionenbereich, frei aushandeln oder den Verein verlassen.
  • Jedes Jahr bekommen die schlechtesten Mannschaften die besten Nachwuchskicker aus unterklassigen Vereinen oder Jugend- bzw. Amateurteams zur Aufbesserung ihres Kaders.
  • Jeder Verein bekommt pro Jahr 7 freie Plätze zur Verfügung gestellt, die am Beginn einer neuen Saison aufgebraucht werden können.
  • Die Vereine dürfen diese "Picks" untereinander tauschen um evtl. einen Star zu verpflichten.
  • Der Ball wird oval und das Spielfeld neu eingeteilt.
  • Das neue Spiel heißt American Football.

Wiener Schnitzel mit Rösti statt Haggis und Stew

Entgegen aller Prognosen hat nun doch die "Alpen Connection" den Zuschlag für die Europameisterschaft 2008 erhalten. Die schottisch/irische Fraktion schaute dagegen in die Röhre.
Was mag wohl der ausschlaggebende Punkt für Österreich/Schweiz gewesen sein?
Zum einen der kulinarische Aspekt. In den Alpenländern ist die Küche im allgemeinen wohlschmeckender als im hohen Norden von Großbritannien oder der grünen Insel. Es ist wohl kein Geheimnis, dass ca. 2/3 aller Fußballfans ein schönes Schnitzel oder ein Käsefondue Innereien im Blätterteig oder Lammeintopf mit Minzsoße vorziehen.
Zum anderen das Wetter. Bei durchschnittlich 365 Regentagen im Jahr hätten die Iren und Schotten realistischere Chancen die nächste Schwimm-Weltmeisterschaft auszurichten, als ein kontinentales Fußballturnier.
Und zum Dritten reduziert der, im restlichen Europa gewohnte, Rechtsverkehr die Anzahl der Verkehrsunfälle zwischen Fans und Einheimischen auf ein Minimum.

Problematisch dürfte höchstens der drastische Zuschauerschwund ab der Zwischenrunde werden.
Nachdem Österreich und die Schweiz bereits in der Vorrunde gescheitert sind, erklärt Andreas Herzog zum fünften Mal seinen Rücktritt, die Schweiz erklärt sich ab sofort für zukünftige, internationale Turniere als neutrale Fußballnation und die Spiele ab Runde 2 werden nur noch von durchschnittlich 5.000 Zuschauern besucht, da viele internationale Fans keine geeigneten Vehikel zum Überqueren von Gebirgspässen besitzen.

In diesem Sinne,

ein schönes Weihnachtsfest an alle Blutgrätscher.

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Autor:
Thomas Brückmann
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